Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit – Teil 3 – Mineralöle und Palmöl

Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit

– Teil 3 –

Mineralöle und Palmöl

 

In den Weiten des www spuken allerlei Informationen zu Kosmetik-Inhaltsstoffen herum. Da es für den Laien schwierig ist, hier zwischen „richtig und falsch“ zu unterscheiden möchte ich euch mit dieser Artikelserie eine Einschätzungshilfe für die (Un-)Gefährlichkeit verschiedener Inhaltsstoffe geben. 

 

Öl gehört in den Salat oder in einen Motor, aber auf die Haut? Der Kosmetikmarkt bietet eine breite Palette an Produkten, die Mineralöle oder Palmöl enthalten. Beides dient als günstiger Rohstoff und leuchtet regelmäßig bei den einschlägigen Websites in sattem Rot. Warum eigentlich?

Der Begriff Mineralöl (Singular) ist in sich ungenau – so fallen viele verschiedene Produkte unter diesen Namen. Der bekannteste Vertreter ist sicher Vaseline. Hierbei handelt es sich um die gereinigten Rückstände aus der Erdöldestillation. Das klingt ziemlich ekelig, aber weiße Vaseline unterliegt strengen Qualitätskontrollen und kann als weitestgehend rein angesehen werden.

Wie Silikone verhindern Mineralöle das Eindringen von Wasser in die Haut. Die Feuchtigkeit wird in der Haut gehalten, jedoch kann es durch Schwitzen zu einem Hitzestau kommen, da der Schweiß nicht verdunsten kann. Mineralöle sind inert, das heißt, dass sie nicht mit der Haut reagieren. Obwohl manche Menschen nach der Verwendung von mineralölhaltigen Produkten Probleme mit Hautunreinheiten haben, gelten Mineralöle als nicht-comedogen [1]

Wie sieht es aber mit dem vielzitierten Krebsrisiko bei der Verwendung von Mineralölen aus? 1949 wurde bei Maschinenarbeitern, die täglich mit Mineralölen zu tun hatten, eine erhöhte Anzahl von Hodenkrebsfällen festgestellt [2]. Hierbei handelte es sich allerdings um mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigtes Mineralöl. Erst seit 1976 ist bekannt, dass diese Kohlenwasserstoffe Krebs verursachen [3]. Eine andere Berufsgruppe, die regelmäßig mit kontaminiertem Mineralölen zu tun hat, sind Angestellte in der Schuhproduktion – hier konnte eine Häufung von Nasenkrebsfällen beobachtet werden. Da dieses Risiko durch geeignete Schutzmaßnahmen minimiert werden konnte, ist davon auszugehen, dass nur unsachgemäßer Umgang mit Mineralölen gefährlich ist [4].

Wir mögen zwar alle Schuhe, aber macht dieser Umstand Mineralöl auch für uns gefährlich? Im Tierversuch wurde ein Zusammenhang zwischen der Verwendung von mineralölhaltigen Cremes und Hautkrebs festgestellt [5]. Unter diesen Cremes war auch eine kommerziell erhältliche Creme von Eucerin, allerdings ist es fraglich, ob sich diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. Bei den Versuchstieren handelte es sich um haarlose SKH-1 Mäuse, die nicht als klinisches Modell für den Menschen zugelassen sind. Da es keine weiteren Studien zu diesem Thema gibt, ist davon auszugehen, dass gereinigtes Mineralöl, wie es in Kosmetika vorkommt, höchstwahrscheinlich nicht cancerogen ist.

Ein anderes Öl, das sich häufig in den INCI-Listen findet, ist Palmöl. Dieses wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen und wird traditionell zur Verbesserung der Wundheilung eingesetzt [6]. Nebenwirkungen sind nicht bekannt, jedoch ist es die Produktion, die Grund zur Besorgnis gibt. Für die Ölpalmenplantagen wird Regenwald abgeholzt, Menschen und Tiere aus ihrem natürlichen Habitat gedrängt, Ackerbaufläche umgewidmet und das alles unter einem enormen Ausstoß von CO2 [7]. Auch Bio-Palmöl ist nicht ohne: So mehren sich die Berichte, nach denen nicht alles, worauf Bio steht auch Bio ist. Momentan scheint die Firma Agropalma aus Brasilien der einzige Anbieter zu sein, der nachhaltig und fair produziert [8].

Was also tun, wenn der nächste Kosmetikeinkauf ansteht? Gesundheitliche Bedenken sind sowohl bei (kosmetischem) Mineralölen als auch bei Palmöl nicht nötig. Jedoch sind die Umstände, unter denen Palmöl gewonnen wird, zumindest für mich ein guter Grund, so weit es geht auf Produkte, die Palmöl enthalten, zu verzichten.




Adelsblass und Kunterbunt ist promovierte Molekularbiologin, forscht mit pflanzlichen Sekundärstoffen und lehrt Phytochemie und Pharmakologie an einer deutschen Universität. 

 

[1] DiNardo JC (2005) Is mineral oil comedogenic? J Cosmet Dermatol 4, 2-3.
[2] Cruickshank CN, Squire JR (1950) Skin cancer in the engineering industry from the use of mineral oil. Br J Ind Med 7, 1-11.
[3] Thony C, Thony J, Lafontaine M, Limasset JC (1976) Carcinogenic polycyclic aromatic hydrocarbons in petroleum products: possible prevention of mineral oil cancer. IARC Sci Publ, 165-170.
[4] Randell RA (1990) Nasal cancer and mineral oil. Lancet 335, 56.
[5] Lu YP, Lou YR, Xie JG, Peng Q, Shih WJ, Lin Y, Conney AH (2009) Tumorigenic effect of some commonly used moisturizing creams when applied topically to UVB-pretreated high-risk mice. J Invest Dermatol 129, 468-475.
[6] Chvets AI (1979) Use of palm oil on the treatment of wounds. Niger Med J 9, 711-712.
[7] Dauvergne P, Neville KJ (2010) Forests, food, and fuel in the tropics: the uneven social and ecological consequences of the emerging political economy of biofuels. J Peasant Stud 37, 631-660.
[8] Zeit Online (2011) Grüne Geschäfte.
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