Lese-/Hörempfehlung: Rumo & die Wunder im Dunkeln

Ich habe mir beim Anfang des Bloggens eigentlich vorgenommen, regelmäßig auch Buchrezensionen zu schreiben, da ich Bücher sehr liebe und (wenn ich ganz ehrlich bin) mir ein reiner Kosmetikblog zu oberflächlich schien… Jetzt ist der Blasse Schimmer seit Monaten extrem kosmetiklastig und ständig denke ich „Das war so gar nicht geplant“. Es gab ein paar Ausnahmen über den Kindle (nie bereut!) und Audible (eine meiner größten Lieben; Rumo und Die Wunder im Dunkeln bei Audible), aber … bis auf die Seite „Der Schimmer liest“, die ich versuche aktuell zu halten… nicht viel mehr.

Ein bisschen abgehalten hat mich auch die Tatsache, dass man Buchtitel nicht zeigen darf… Warum darf ich mein eigenes Buch nicht fotografieren? Aber so ist es… Eine schöne kleine Blogaktion ist bei Twitter daran im Keim erstickt, nämlich „Beautiful Books“ … wo ich so gerne eine Serie zum Thema „Die schönsten Buchcover“ gemacht hätte. – Jeder von uns hat doch auch die Vertreter im Schrank stehen, auf die nur ein Blick gefallen ist und die sofort Anziehungskraft hatten (und im besten Fall sich noch als hervorragendes Buch herausgestellt haben).

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Rumo & die Wunder im Dunkeln – Walter Moers

Buch vs. Ungekürztes Hörbuch in CDs

Vor ein paar Jahren hatte ich bereits einmal angefangen, dieses Buch zu lesen – jedoch relativ früh aufgegeben. Damals war mir Moers zu wirr, chaotisch und bekifft-hirnkultiviert.

Heute ist das ganz anders. Heute ist Rumo & die Wunder im Dunkeln für mich wirr, chaotisch und bekifft-hirnkultiviert, – aber genau richtig. *schmunzelt* Nein. Wie Ihr schon richtig erkennt, hat das Buch sich natürlich während es so lag nicht verändert. Aber zum einen habe ich mir ein anderes Medium genommen (ungekürztes Hörbuch) und zum anderen habe ich beschlossen, es immer kurz vorm Einschlafen mit der Sleepfunktion zu hören. (Ich gebe mir fast jeden Abend 30 Minuten Hörbuch, das ich über die Lautsprecher meines iPhone höre … und dann geht es von alleine aus. Wenn eine Stelle gerade spannend ist, mache ich es sofort wieder an und gehe die nächste halbe Stunde an… und wenn ich einschlafe, weiß ich am nächsten Abend, dass ich eine Stelle irgendwo in den letzten 10 Minuten wieder zum Anschluss finden muss.)

Aber wieder zu Rumo… Hörend, kurz vorm Einschlafen war Rumo einfach perfekt. Die Minuten, wo man selbst nochmal 6 Jahre alt wird und gerne einfach zuhört, Bilder in den Kopf bekommt, mit geschlossenen Augen lächelt und auch gern ein wenig Abenteuer mit in die Träume nimmt. Das Buch beginnt im Welpenalter des Hauptcharakters und Wolpertingers Rumo und begleitet ihn beim Heranwachsen in unwirtlicher Umgebung, seinem weiteren Weg, auf der Suche nach dem „silbernen Faden“, der unweigerlich zu etwas Interessantem führt und tief unter die Erde. Es geht um Leben, Tod und Liebe wie in jedem guten Buch -und Freundschaft in dieser seltsamen, märchenhaften Geschichte. – Die Charaktere denen man begegnet sind liebevoll (und bekifft) entworfen. Manchmal folgt der Erzähler plötzlich deren Lebensfäden und man fährt auf seinem Bericht mit wie in einer Gondel im Erlebnispark – mal Gruselbahn, mal Märchenwald. Dabei gelingt es Moers immer wieder die Fäden, die zunächst chaotisch weg zu driften scheinen, auch wieder zusammen zu führen und man erhält ein buntes, aber liebevolles Leser-Mobile (diese Hängedinger mit verschiedenen Bildern für Babies über dem Bettchen) aus Facetten, Schattenrissen, Lichtblitzen und Zusammenhängen.

Rumo scheint eine Aneinanderreihung von organischen Einfällen zu sein, die direkt vorm Einschlafen keine irritierte Gegenwehr von kognitionsartigen Mechanismen befürchten müssen, weil man entspannt einfach jedes Bild und jeden Gedanken hinnimmt. Rumo zu hören statt zu lesen war für mich eine Bereicherung und hat den Zugang zum Buch erleichtert, denn auch wenn die Sprache selbst wirklich schön und vor allem originell ist, der Satzbau in verspielter Schläue komplex (ich kann das sehr lieben)… teilweise wirkte es im Lesen fast etwas „viel“ und selbstverliebt. Beim Hören hat Dirk Bach als Sprecher eine solche Magie hinein gezaubert… wie er die Stimmen verstellt, die Lagen und Tempi verändert hat… Er hat das Buch mit viel Inbrunst gelesen und das ist genau das passende Wort: Inbrunst. Perfekt.

Wer Lust auf eine Achterbahnfahrt von Ideen, Worten, Wendungen und Unglaublichkeiten hat: Lesen/Hören! Am besten in einem Zustand, in dem es möglich ist, einfach genussvoll Beifahrer dieser Handlung zu sein. Mir hat Rumo Lust auf die anderen Bücher von Moers gemacht und es wurde direkt mit „Die Stadt der Träumenden Bücher“ in meiner Einschlafphase fortgesetzt … Das ich noch deutlich besser finde… aber dazu ein andermal!

Für wen:
Sprach- und Ideenliebhaber, die sich auf ein Experiment einlassen können und für die es auch mal chaotisch und Geschichte und Sprache Selbstzweck und Gegenwart sein dürfen

Für wann:
Ich fand es wirklich vorm Einschlafen am besten! Bei Autofahrten hätte es mich – glaube ich – eher genervt.

Sterne4

 

Wenn Ihr in Eile seid und mir trotzdem zeigen möchtet, ob Euch der Artikel gefallen hat, dann lasst mir doch einfach Sternchen da! Bei Gedanken, Verbesserungsvorschlägen oder Hinweisen freue ich mich über ein Kommentar, um sie zu berücksichtigen!
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14 Comments

  • Ich liebe die Walter Moers Bücher! Als Hörbuch kenne ich Rumo zwar nicht, nur in der klassischen (geschriebenen) Variante. Ich höre zum Einschlafen keine Hörbücher, sondern Hörspiele (Drei Fragezeichen o.ä.).

    • Hörspiele mochte ich früher gern. – Bei adaptierten Büchern nehme ich davon inzwischen jedoch Abstand, weil ich es einfach schade um die Kürzungen finde und ich liebe oft die Sprache der Autoren so sehr, dass ich gar nicht unbedingt möchte, dass es zu sehr umgewandelt wird. Bei Dingen wie den drei Fragezeichen ist es natürlich irgendwie anders. Die habe ich schon als Kind nur als Hörspiel gekannt. aber irgendwie genieße ich, wenn es nur eine Stimme ist, die liest. Und manche machen das so toll.. gibt da richtige Künstler beim Vorlesen!

    • Ach Du – das machen wir. Komm doch wirklich mal vorbei! Das Gästesofa ist zwar verschwunden, aber es lässt sich sicher etwas einrichten und ein Wochenende mit Serien, Bummeln und Essen während man klönt, wäre doch richtig schön! Ich würde mich arg freuen!

    • Ganz lieben Dank für dieses Kommentar! Das freut mich sehr und ist nicht selbstverständlich. Hoffentlich treffe ich auch mal mehr Deinen Buchgeschmack, denn ich will, dass Bücher doch so 1x alle 2 Wochen Inhalt hier werden… Lesen war für mich immer etwas wichtiges und plötzlich schreibe ich nur über „Lippenstifte“*schmunzelt* das geht nicht. Was wäre denn Dein Buchgeschmack? Vllt. habe ich ja zufällig etwas zu dem Genre im Petto?

  • Ich höre auch gerne zum Einschlafen Hörbücher und nutze dabei auch immer die Sleep Funktion (bei mir laufen meistens die drei ??? :D). Von Moers habe ich vor Jahren die Stadt der träumenden Bücher gelesen und war sehr begeistert. Kurz danach habe ich Rumo gekauft, allerdings war ich noch nie in der richtigen Stimmung dafür. Mir gefallen die Bücher rein der Optik wegen schon so gut.

    • Bei mir ist es ganz schlimm… man darf mich nicht in ein Buchgeschäft lassen -ich gehe mit 2-3 Büchern raus, die dann brav in der heimischen Bibliothek manchmal Jahre darauf warten, gelesen zu werden. Einerseits ist das ganz schön dekadent – andererseits genieße ich das sehr und für jedes Buch gibt es den richtigen Augenblick und ich freue mich dann richtig, wenn die Zeit reif ist und ich es herausnehme… Für Rumo kommt auch noch die Zeit. Ich fand es besonders wirr und organisch… Aber sie sind wirklich immer schön gemacht und dann mit den süßen Zeichnungen dazu…

  • Achja, ich finde es auch extrem befremdlich nicht meine eigenen Buchcover ablichten zu dürfen. Man wird somit ja quasi gezwungen Affiliate Links zu verwenden! Und gerade bei Moers Bücher ist es doppelt schade, da diese auch von der Illustration leben.

    • Genau – ich hab das jetzt als Lösung genutzt… ist nicht ideal – aber eine Möglichkeit und falls jd. sich das Buch ohnehin gerne kaufen würde, freue ich mich natürlich darüber – aber der Blog ist ohnehin so klein, dass es mir da nicht um Gewinnspannen geht und so kann ich wenigstens das Cover zeigen, denn ich finde die oft so schön oder stimmungsvoll… Ich überlege auf die Art dann doch mal auch die Buchreihe „Beautiful Books“ zu machen… aber es ist leider nicht so persönlich als wenn man die Bücher selbst schön drapiert fotografieren würde.

  • ich liebe Walter Moers und alle seine Bücher! Rumo fand ich auch besonders toll 🙂 wobei ich den Stil nicht als ‚bekifft‘ bezeichnen würde, damit verbinde ich doch eher Negatives. ich finde ihn einfach wahnsinnig kreativ, lustig und ja, ein bisschen wirr. aber im liebevollen Sinne 🙂

    seit wann darf man denn Buchcover nicht abbilden?

    • Hallo Claudia. Stimmt – „bekifft“ ist vllt. etwas negativ belastet. Für mich ist es etwas von „assoziativ gelockert“ und „nicht ganz der Logik verpflichtet“ und so empfinde ich die Geschichten teilweise. Dabei aber nie dumm oder grob. Da hat Walter Moers wirklich eine spannende eigene Art. Trotzdem kann ich sie nicht in jeder Stimmung hören. Kurz vorm Schlafen war einfach die beste für diese wahnwitzigen Bilder und Wendungen, Wortschöpfungen und Schubladen, die er da mitten in einem Erzählstrang in den nächsten öffnet. – Er macht das toll.

      Mit den Covern ist es tatschlich so. Hier gibt es zum Beispiel einen ganz aktuellen Artikel. Mit Filmplakaten und ähnlichem ist das ähnlich. Für Blogger natürlich absolut idiotisch… da kann man dann gar nicht abbilden worüber man schreibt. Ein Mal habe ich einen Filmvertrieb angeschrieben, ob ich das Filmplakat verwenden darf, aber das ist ein Riesenumstand, nur weil man eine kleine Review schreiben möchte. Gibt sowieso rechtlich ein paar Dinge, über die ich die Haare raufen könnte, was Bloggen angeht, sobald es ein kleiner privater Blog mehr ist (und das ist es nicht, sobald man Fremde adressiert… also für die Öffentlichkeit schreibt, egal wie subjektiv und privat sie sind).

      Danke Dir für Dein Kommentar! Ich freue mich richtig, dass es liebe Stimmen zu dem Thema Bücher gibt!Hatte befürchtet, dass auch Beschwerden kommen, dass ich Bücher und Kosmetik mische. Schön zu merken,d ass das gar nicht eintritt. Alles Liebe und bis zum nächsten Mal!

  • Vielen Dank für Deine wunderschöne Buchvorstellung! Ich mag deine Art zu schreiben und Deine geniale Wortwahl einfach; würde mich auch gerne so ausdrücken können.
    Ich finde / bzw. fände es super, wenn Du neben Kosmetik auch wirklich mehr über Bücher berichten würdest; denn so sehr ich mich für Kosmetik interessiere, so sehr hängt mein Herz doch auch am Lesen.
    Habe leider im Augenblick recht wenig Zeit und bin schon froh, wenn ich alle paar Wochen zwei , drei Bücher schaffe, aber es ist für mich immer ein großer Genuss und ich geniesse es sehr bewusst, wenn ich wieder ein Buch zur Hand nehmen kann.
    Und ich bin immer offen für Tipps!
    Also…ein Blog über Kosmetik UND regelmässig Bücher/ Hörbücher oder auch Filme wäre mein Wunsch. ( Außerdem bieten Buchkritiken Deiner Art zu schreiben viel mehr Raum, als nur über die Farbe von Lippenstiften…;-)

    • Hallo Martina!
      Ganz herzlichen Dank für Dein unheimlich liebes Kommentar. Ich freue mich sehr darüber und dass die Buchbesprechung gut bei Dir ankam! Ich hatte mich etwas gesorgt, dass Bücher viele nicht interessieren könnten – aber ich mag die Mischung selbst ganz gern. Schön, dass es Dir auch so geht! Ich genieße zur Zeit Hörbücher am meisten… Zum Lesen selbst komme ich oft nicht neben einem stressigen Alltag – aber abends oder auf Autofahrten oder bei Hausarbeit muss es ein Hörbuch sein.
      Du wirst hier bestimmt in Zukunft mehr über Bücher lesen! Und SEHR gerne über Filme… ich liebe Geschichten in fast jeder Form und habe auch mehr DVDs als ich sollte… Aber es gibt so tolle! Hast Du ein Lieblingsgenre? Dann könnte ich mal eine kleine Auswahl gezielt erstellen.

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