Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit – Teil 5 – Parabene

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Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit

– Teil 5 –

Parabene

In den Weiten des www spuken allerlei Informationen zu Kosmetik-Inhaltsstoffen herum. Da es für den Laien schwierig ist, hier zwischen „richtig und falsch“ zu unterscheiden möchte ich euch mit dieser Artikelserie eine Einschätzungshilfe für die (Un-)Gefährlichkeit verschiedener Inhaltsstoffe geben. 

Auf immer mehr Kosmetikartikeln prangt an prominenter Stelle der Hinweis: „Ohne Parabene“. Auch in der Beautycommunity genießen sie nicht den besten Ruf, aber ist das gerechtfertigt?

Parabene sind die Ester der Parahydroxybenzoesäure. Unter diesem Sammelbegriff werden vor allem Methyl-, Ethyl-, Propyl- und Butylparaben zusammengefasst, die man auch unter den Angaben E214-E219 in Inhaltsstofflisten findet. Sie werden seit den 1930er Jahren nicht nur in Kosmetika, sondern auch in Lebens- und Arzneimitteln als Konservierungsstoffe eingesetzt. Sie sind geruchs- sowie geschmackslos und biologisch vollständig abbaubar. In der Natur kommen sie z.B. in Erdbeeren, Traubensaft, Essig und manchen Käsesorten vor [1].

In der Kosmetikindustrie werden Parabene deshalb eingesetzt, weil sie schon in sehr geringen Konzentrationen sehr effizient und kaum toxisch sind sowie nur selten zu Hautreizungen führen. Bei Kontakt mit der Haut werden sie von nicht-spezifischen Enzymen hydrolisiert und zu Parahydroxybenzoesäure abgebaut. Dieser schnelle Abbau ist auch der Grund, warum sie sich kaum im Körpergewebe ablagern [2]. Die erlaubte Konzentration liegt in Europa bei 0,4 % für einzelne Parabene und 0,8 % für Mischungen.

Parabene und Brustkrebs

So weit, so gut. Woher kommt nun der denkbar schlechte Ruf der Parabene? 2003 wurde eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass Frauen, die Antiperspirantien benutzen und ihre Unterarme rasieren früher Brustkrebs bekommen, was allerdings vermutlich an den enthaltenen Aluminiumsalzen und nicht den Parabenen liegt [3]. Im Jahr darauf wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen der Benutzung parabenhaltiger Kosmetika und dem Vorkommen dieser Parabene in Brustkrebsgewebe postuliert [4]. Darüber hinaus wurde in Zellkulturexperimenten und Tierversuchen nachgewiesen, dass Parabene eine schwache Östrogenwirkung haben, die mit der Krebsentstehung in Zusammenhang stehen könnte [5]. Diese Publikationen und vor allem zahlreiche Artikel in „normalen“ Medien sorgten für eine allgemeine Panik, was die Verwendung von Parabenen angeht.

Allerdings ist es so, dass die Studie von 2004 keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Parabenen und der Entstehung von Brustkrebs zeigen konnte, da die gesunde Vergleichsgruppe nicht auf das (natürliche) Vorkommen von Parabenen getestet wurde. Dieser methodische Fehler und der Umstand, dass nur 20 Proben untersucht wurden, lassen den Schluss zu, dass die Behauptung, Parabene würden die Entstehung von Brustkrebs fördern, sehr zweifelhaft, wenn nicht sogar falsch ist.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die aktuelle Studienlage keinen Zusammenhang zwischen Parabenen und der Entstehung von Brustkrebs erkennen lässt [6]. Zu diesem Schluss kommt auch das deutsche Bundesamt für Risikobewertung [7].

Parabene und Hormonaktivität

Parabene können bei Tieren und in Zelllinien wie Hormone wirken, genauer gesagt wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. Allerdings nur, wenn sie 1000-1000000-fach stärker als 17β-Östradiol, bzw. 10-100-fach höher als Soja-Phytoöstrogene dosiert werden [8]. Dass dieser Effekt bei Tieren und Zelllinien auftritt, heißt nicht automatisch, dass er auch im Menschen zu beobachten ist, vor allem deshalb nicht, weil Parabene im menschlichen Körper schnell abgebaut werden [9]. Das Abbauprodukt Parahydroxybenzoesäure besitzt hingegen keine Östrogenaktivität.

Können Parabene in Kosmetika jetzt zu einer Hormonwirkung im Menschen führen oder nicht? Nach Anwendung einer Creme mit 2 % Butylparaben konnten etwa 0,1 % dieser Dosis im Bluserum nachgewiesen werden, die Hormonlevel im Blut wurden nicht beeinflusst [10]. Diese Daten legen nahe, dass auch in Punkto Hormonwirkung  die Angst vor Parabenen übertrieben ist.

Parabene und Allergien

Wie sieht es mit Kontaktallergien und der Sensibilisierung der Haut aus? Auch wenn diese selten sind – es gibt sie. Betroffen sind vor allem Menschen mit bereits geschädigter Haut (Dermatitis, Ekzeme, Akne vulgaris etc.). Bei dieser Bevölkerungsgruppe liegt die Sensitivierungsrate je nach Studie zwischen 0,3 % bis 10,9 %, doch in zwei Dritteln der Studien bei unter 2 % [11]. Wirkliche Allergien gegen Parabene sind sehr selten und nehmen seit Aufkommen der parabenfreien Produkte noch weiter ab [1].

Schlussfolgerungen

Welche Schlüsse lassen sich nun ziehen? Auf der Basis der aktuellen Datenlage können Methylparaben und Ethylparaben in der erlaubten Maximaldosis von 0,4 % als sicher für alle Bevölkerungsgruppen eingestuft werden [12].

Was die Verwendung von Butyl- und Propylparaben angeht, ist die Meinung in Europa geteilt: In Dänemark ist deren Verwendung in Produkten für Kinder unter drei Jahren mittlerweile verboten, in Frankreich wurde 2011 ein Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Herstellung, den Import und Verkauf von Kosmetik, die Butyl- und Propylparaben enthält, verbieten soll, wohingegen in Deutschland das Bundesamt für Risikobewertung 2011 einen Grenzwert von 0,19 % als sicher für alle Bevölkerungsgruppen einstufte.

Bei all der Parabenpanik muss auch bedacht werden, dass die Option „keine Konservierungsmittel“ nicht ratsam ist. Nach dem ersten Öffnen beginnt der schleichende Prozess der „Verkeimung“ und abgesehen vom Risiko des Verschimmelns, Umkippens oder anderweitiger Kontamination mit Pathogenen fände ich es einfach sehr unerfreulich, die teure Kosmetik nach wenigen Wochen wegwerfen zu müssen. Somit sind Konservierungsmittel unerlässlich.

Viele der gegenwärtig verwendeten anderen Konservierungsstoffe haben ein deutlich höheres allergenes Potenzial als Parabene, teilweise bis fünf Mal so groß [13]. Außerdem wurde für andere Konservierungsmittel eindeutig nachgewiesen, dass sie eine Hormonwirkung im Menschen haben, wie z.B. Bisphenol A [14]. Auch Benzylsalicylat, Benzylbenzoat, Butylphenylmethylpropional (Lilial) [15] sowie Triclosan [16] zeigen Östrogenaktivität in Brustkrebszelllinien, wobei auch hier die direkte Übertragbarkeit auf den Menschen fraglich ist.

Parabene sind also gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Jedoch sollte man sowohl bei deren Art als auch ihrer Dosierung sehr genau auf die Inhaltsstoffliste schauen – handelt es sich um Methyl- und/oder Ethylparaben in einer Konzentration bis zu 0,4 % ist alles im grünen Bereich. Menschen mit geschädigter Haut oder bekannter Parabenallergie sollten lieber zu Produkten mit anderen, sicheren Konservierungsstoffen greifen.

Wer sich für das Thema detailliert interessiert, dem sei der Review von Castelain & Castelain empfohlen, auf dem dieser Artikel maßgeblich basiert.

***Ein Klick auf das Bild und Ihr kommt zu ihren Artikeln***



Adelsblass und Kunterbunt ist promovierte Molekularbiologin, forscht mit pflanzlichen Sekundärstoffen und lehrt Phytochemie und Pharmakologie an einer deutschen Universität. 

1. Castelain F and Castelain M (2012) Parabens: a real hazard or a scare story? Eur J Dermatol 22: 723-7.
2. (2008) Final amended report on the safety assessment of Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben, Isopropylparaben, Butylparaben, Isobutylparaben, and Benzylparaben as used in cosmetic products. Int J Toxicol 27 S4: 1-82.
3. McGrath KG (2003) An earlier age of breast cancer diagnosis related to more frequent use of antiperspirants/deodorants and underarm shaving. Eur J Cancer Prev 12: 479-85.
4. Darbre PD, Aljarrah A, Miller WR, Coldham NG, Sauer MJ, Pope GS (2004) Concentrations of parabens in human breast tumours. J Appl Toxicol, 2004. 24: 5-13.
5. Byford JR, Shaw LE, Drew MG, Pope GS, Sauer MJ, Darbre PD (2002) Oestrogenic activity of parabens in MCF7 human breast cancer cells. J Steroid Biochem Mol Biol 80: 49-60.
6. Witorsch, R.J. and J.A. Thomas (2010) Personal care products and endocrine disruption: A critical review of the literature. Crit Rev Toxicol 40 S 3: 1-30.
7. Bundesamt für Risikobewertung: Paraben-haltige Deodorants und die Entstehung von Brustkrebs, Stellungnahme des BfR vom 13. Februar 2004
8. Routledge EJ, Parker J, Odum J, Ashby J, Sumpter JP (1998) Some alkyl hydroxy benzoate preservatives (parabens) are estrogenic. Toxicol Appl Pharmacol 153: 12-9.
9. Soni, M.G., I.G. Carabin, and G.A. Burdock (2005) Safety assessment of esters of p-hydroxybenzoic acid (parabens). Food Chem Toxicol 43: 985-1015.
10.  Janjua NR, Mortensen GK, Andersson AM, Kongshoj B, Skakkebaek NE, Wulf HC (2007) Systemic uptake of diethyl phthalate, dibutyl phthalate, and butyl paraben following whole-body topical application and reproductive and thyroid hormone levels in humans. Environ Sci Technol 41: 5564-70.
11. Cashman, A.L. and E.M. Warshaw (2005) Parabens: a review of epidemiology, structure, allergenicity, and hormonal properties. Dermatitis 16: 57-66; quiz 55-6.
12. Bundesamt für Risikobewertung, Verwendung von Parabenen in kosmetischen Mitteln, Stellungnahme Nr. 009/2011 des BfR vom 28. Januar 2011
13. Schnuch A, Mildau G, Kratz EM, Uter W (2011) Risk of sensitization to preservatives estimated on the basis of patch test data and exposure, according to a sample of 3541 leave-on products. Contact Dermatitis 65: 167-74.
14.Maffini MV, Rubin BS, Sonnenschein C, Soto AM (2006) Endocrine disruptors and reproductive health: the case of bisphenol-A. Mol Cell Endocrinol 254-255: 179-86.
15. Charles, A.K. and P.D. Darbre (2009) Oestrogenic activity of benzyl salicylate, benzyl benzoate and butylphenylmethylpropional (Lilial) in MCF7 human breast cancer cells in vitroJ Appl Toxicol 29: 422-34.
16.  Gee RH, Charles A, Taylor N, Darbre PD (2008) Oestrogenic and androgenic activity of triclosan in breast cancer cells. J Appl Toxicol 28: 78-91.

 

Wenn Ihr in Eile seid und mir trotzdem zeigen möchtet, ob Euch der Artikel gefallen hat, dann lasst mir doch einfach Sternchen da! Bei Gedanken, Verbesserungsvorschlägen oder Hinweisen freue ich mich über ein Kommentar, um sie zu berücksichtigen!

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19 Comments

  • Ohhh vielen Dank für diesen Beitrag. Ich warte schon lange auf eine Fortsetzung der Reihe, da ich das Thema wirklich spannend finde. Leider habe ich selbst kein Fachwissen und bin immer froh, wenn ich dieses in komprimierter Form bekommen kann 🙂

    • Sehr gerne!

      In letzter Zeit hat das „echte“ Forschen sehr viel meiner Zeit gefressen, aber ich bemühe mich, hier wieder regelmäßiger Beiträge zu veröffentlichen.

      🙂

      • Wehe, Du stresst Dich dabei! Das hier soll Freude machen und ich bin so schon ganz freudig-dankbar, dass Du Dein Wissen teilst – das muss kein Zweitjob sein 😉

  • Was für ein informativer Beitrag, lieben Dank!
    Ich bin immer genervt, wenn Produkte riesig mit „ohne Parabene“ beworben werden oder auch Blogger darauf hinweisen, während sie ein Produkt vorstellen, das weiß der Kuckuck was sonst noch enthält und die Parabene daran nochdas beste sind 😉

    Ich habe in meinem allerersten Post eine LUSH Handcreme vorgestellt (vor zwei Jahren war das) und auch darauf hingewiesen, dass ich die enthaltenen Parabene nicht gut finde 🙂 damals hat Ökotest sie auch noch als no-no abgestempelt. Nur ein halbes Jahr später waren sie rehabilitiert und seitdem auch bei Codecheck grün, ich habe aufgehört mich um sie zu kümmern. Aber ein wenig unterscheiden sollte man ja trotzdem, danke für die Erklärung!

    • Nunja, Forschung ist immer nur tagesaktuell – was heute „richtig“ ist, kann morgen „falsch“ sein. Über die Panikmache bei Parabenen habe ich mich schon lange geärgert und es freut mich sehr, dass Dir der Artikel gefallen hat!

  • Hi, durch Zufall bin ich über einen anderen Beautyblog hier her geraten und ich muss dir mal ein großes Lob aussprechen, dass du derart aufklärst. Man denkt sich ja im Grunde nichts Böses, wenn man sich so manche Produkte ins Gesicht gibt oder den Körper damit eincremt. Doch befasst man sich damit, was dieses Zeug zum Teil für Schäden verursachen kann, wird´s einem ganz anders. Ich passe auch auf, was ich verwende. Nicht immer zu 100 % konsequent, aber dafür kontinuierlich. Viele haben davor Sorge, weil sie glauben, dass sie auf wirksame Produkte verzichten müssen, Nachteile in Kauf nehmen müssen oder so. Doch lernt man erstmal weniger schädliche Produkte kennen, merkt man schnell, dass man durch sie auch noch andere Vorteile erfährt. Liebe Grüße, Steffi

    • Liebe Steffi,

      danke für die Bauchpinselei – es freut mich, wenn ich ein wenig zur allgemeinen Erhellung beitragen kann!

      Generell ist es so, dass die allermeisten Inhaltsstoffe keine dramatischen Schäden verursachen im Sinne von systemischer Wirkung, individuelle Allergien und Unverträglichkeiten mal ausgenommen. Viel bedenklicher finde ich die blinde Panikmache, die sich fröhlich im Netz und auch anderen Medien ausbreitet, wenn einfach nur Halbwissen weiterverbreitet wird. Kritischer Verbraucher zu sein heißt eben auch, nicht alles zu glauben – Gutes wie Schlechtes.

      Ich habe auf Deinem Blog einige Beiträge zu Sonnenschutz gesehen – vielleicht interessiert Dich meine Sicht dazu, die ich im nächsten Teil der Serie hier kundtun werde.

  • Ach, die Agata, die auch immer so hilfreich aufklärt, liest hier mit 🙂

    Was zum Sonnenschutz wäre ja wirklich toll. Ich will mich da jetzt eh bisschen einlesen, habe im letzten Jahr viel Zeit auf dem Spielplatz verbracht und mich nicht immer eingeschmiert, Ergebnis sind einige Pigmentflecken auf den Wangen 🙁
    Aber wenn ich komplett geschminkt bin, scheue ich mich noch ne Schicht Sonnencreme drauf zu werfen…
    Und was drin steckt, ist mir eh noch ein Rätsel…

    Also immer her mit den Infos! Sobald deine echte Forschung es zulässt 🙂

    • Guckuck!

      Ab nächster Woche wird es etwas ruhiger bei mir, dann mache ich mich an den Sonnenschutz – das ist ein Fass ohne Boden, ich glaube, das wird ein Mehrteiler…

  • Vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Jedoch habe ich eine Frage was Methylparaben angeht:
    Ich habe jetzt häufiger gehört, dass Methylparaben in Kombination mit Sonnenstrahlung extrem die Hautalterung verstärkt, ist das wahr?
    (Dummerweise ist Methylparaben u.a. in meiner Kiehls „Ultra light daily defense UV 50“ drin und soll mit UV 50 eigentlich die Hautalterung verhindern…)

    • Huhu!

      Zu Methylparaben (MP) und UV-Strahlung gibt es einen maßgeblichen, oft (falsch) zitierten Artikel:

      Handa O, Kokura S, Adachi S, Takagi T, Naito Y, Tanigawa T, Yoshida N, Yoshikawa T (2006) Methylparaben potentiates UV-induced damage of skin keratinocytes. Toxicology 227:62-72.

      Zuerst sei erwähnt, dass etwa 1 % der auf der Haut aufgetragenen Menge von Methylparabenen überhaupt dorthin kommt, wo eine systemische Wirkung aufteten kann, das heißt, dass von den maximal 0,4 %, die erlaubt sind maximal 0,004 % die eigentlich interessanten Hautschichten erreichen.

      In der Studie wurden humane Hautzellen mit UV-Licht, das etwa 1 Minute Sonne entspricht und Methylparaben in unterschiedlichen Konzentrationen behandelt. Die höchste verwendete Konzentration lag bei 0,03 %. (also 7,5 mal so viel wie bei 0,4 % MP ankäme).

      Ohne jetzt alle Details aufzuzählen: Ja, in dieser Studie zeigten die Hautzellen in der Petrischale eine schnellere „Alterung“ als die Vergleichszellen, die nicht mit MP behandelt worden waren.

      Aber.

      Erstens lag die Konzentration von MP mit 0,03 % in der Studie bedeutend höher, als man sie mit einer Creme mit 0,4 % MP erreichen könnte (da hiervon ja nur 1 % „ankommt“).

      Zweitens: Von Zellkultur zu Mensch rechnet der Forscher um den Faktor 100-1000 hoch. Sprich: Was ein Zelle in der Konzentration 0,03 % beeindruckt müsste im Gesamtorganismus eine Konzentration von 3 – 30 % haben. Das sind nur ungefähre Erfahrungswerte, also bitte nicht exakt darauf festnageln!

      Drittens wurden nur einzelne bestimmte zelluläre Prozesse gemessen, die mit der „Alterung“ in Zusammenhang stehen; die Summe der Effekte wurde nicht betrachtet.

      Viertens haben Zellen außerhalb der Petrischale im Organismus ganz andere Abwehr- und Schutzmechanismen, was mich auch schon zu

      Fünftens bringt: Ergebnisse aus der Petrischale lassen sich nicht 1:1 auf einen Gesamtorganismus übertragen. Wenn dem so wäre, hach, wäre das Forscherleben schön! So könnte zumindest ich mir etwa zehn Jahre Arbeit auf dem Weg zum Nobelpreis sparen…

      Fünftens – die Studie ist von 2006 und es gibt keine in vitro-Folgestudie, das heißt, dass niemand den Effekt im Tiermodell oder gar Menschen untersucht hat. Das ist immer ein guter Anhaltspunkt, denn wenn da jetzt wirklich substanzielle Schädigung im Gesamtorganismus durch MP und UV zu erwarten wäre, dann würde jemand dran rumforschen. Und darüber publizieren.

      Sechstens und konkret auf Deinen Sonnenschutz bezogen: Hier sind chemische Filter enthalten, die sowohl UVA als auch UVB von der Haut fernhalten, meiner Meinung nach kann diese Strahlung also keine Wirkung auf die Haut haben, MP hin oder her.

      Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Behauptung „MP fördert die Hautalterung“ so schlicht falsch, weil unbewiesen, ist. Korrekt ist: „MP verstärkt in Zellkulturversuchen einzelne molekulare Prozesse, die mit der Seneszenz in Zusammenhang stehen können“.

      Leider ist es dem www nicht beizubringen, dass solche komplexen Sachverhalte sich nicht in einfachen Schlagworten wiedergeben lassen und dass zwischen in vitro und in vivo Welten liegen.

      *seufz*

      Entschuldige, dass die Antwort so lang geworden ist, aber die Kunst des Kurzfassens, die beherrsche ich nur sehr ungenügend…

  • Ich darf kurze Ratlosigkeit anmelden… bezüglich dieser Aussage:

    (…) die besagt, dass Frauen, die Antiperspirantien benutzen und ihre Unterarme rasieren früher Brustkrebs bekommen, was allerdings vermutlich an den enthaltenen Aluminiumsalzen und nicht den Parabenen liegt [3]. (…)

    In deinem jüngsten Artikel hast du eben diesen Zusammenhang zwischen Aluminiumsalzen in Deodorants und Brustkrebs durch Verweis auf meherer unzureichende Studien in Summe verneint. Das macht mich jetzt etwas verwirrt…

    • Huhu Evelyn,

      Du bist ein Adlerauge! Dieser Artikel ist aus dem April 2013, also zwei Jahre älter als der aktuelle Aluminium-Artikel – in der Zwischenzeit gab es zahlreiche neue Studien und vor allem Risikobewertungen, die ich in den aktuellen Artikel eingearbeitet habe.

      Ich werde in diesem Artikel einen Verweis zum Aluminium einfügen, danke Dir, dass Du das erwähnt hast!

      Alles Liebe,

      A&K

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