Inhaltsstoffe von Kosmetika – Dichtung und Wahrheit – Teil 6/3 – Sonnenschutz: Mythen und Märchen

Adelsblass & Kunterbunt

Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit

– Teil 6/3 –

Sonnenschutz: Mythen und Märchen

In den Weiten des www spuken allerlei Informationen zu Kosmetik-Inhaltsstoffen herum. Da es für den Laien schwierig ist, hier zwischen „richtig und falsch“ zu unterscheiden möchte ich euch mit dieser Artikelserie eine Einschätzungshilfe für die (Un-)Gefährlichkeit verschiedener Inhaltsstoffe geben.

Auch wenn dieser Sommer nicht dazu einlädt, stundenlange Sonnenbäder zu nehmen, geht es heute nach Basiswissen und der Bewertung von einigen Inhaltsstoffen zu den Mythen und Märchen rund um das Thema Sonnenschutz.

Mythos 1: „Sonnenschutz macht Hautkrebs!“

Immer wieder stolpere ich über diese Behauptung – auch wenn keiner der momentan verwendeten Inhaltsstoffe im Verdacht steht, cancerogen zu sein, hält sich dieser Irrglaube hartnäckig. Grund dafür ist eine Studie aus dem Jahr 2000, die einen Zusammenhang zwischen der Benutzung von Sonnenschutz und Melanomentstehung hergestellt hat [1]. Diese Studie ist aber irreführend – Personen mit heller Haut verwenden häufiger Sonnenschutzprodukte und sind gleichzeitig anfälliger für die Melanomentstehung. Somit reflektieren diese Studien eher einen Zusammenhang zwischen Hautkrebsentstehung und Sonnenempfindlichkeit statt Sonnenschutzanwendung [2].

In Abgrenzung hierzu gibt es viele Hinweise darauf, dass die regelmäßige Verwendung von Sonnenschutz das persönliche Hautkrebsrisiko reduziert. So konnte nachgewiesen werden, dass schon eine Sonnencreme mit SPF 15 sowohl vor primären als auch vor invasiven Melanomen („schwarzer Hautkrebs“) schützt [3]. Darüber hinaus beugt kräftiges Cremen in der Kindheit der Ausbildung von Muttermalen vor, einem Indikator für das individuelle Melanomrisiko [4, 5].

Sehr gut dokumentiert ist auch die Schutzwirkung gegen das Plattenepithelkarzinom, einer Form des bösartigen Hautkrebses. In einer Studie mit 1621 Australiern über zwölf Jahre konnte bewiesen werden, dass die regelmäßige Verwendung von Sonnenschutz mit SPF 16 das Risiko, ein Plattenepithelkarzinom zu entwickeln um 38 % senkte gegenüber der Kontrollgruppe, die keinen Sonnenschutz aufgetragen hatte.

Leider lassen sich diese Ergebnisse nicht auf Basalzellenkrebs, eine andere Form des Hautkrebses, übertragen – hier konnte bisher keine eindeutige Schutzwirkung nachgewiesen werden, was eventuell auch an den niedrigen SPFs der getesteten Produkte liegen könnte [6, 7].

Somit kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Sonnenschutz vor Krebsarten wie Melanomen sowie Plattenepithelkarzinomen schützt und keinesfalls irgendeine Form von Hautkrebs fördert.

Mythos 2: „Sonnenschutz führt zu Vitamin-D-Mangel!“

Unser Körper braucht Vitamin D. Wenn die Haut UVB-Strahlen ausgesetzt wird, beginnt eine Reaktion im Körper, an deren Ende Vitamin D steht. Ein Mangel an Vitamin D kann z.B. zu kardiovaskulären Erkrankungen und Osteoporose führen und gilt als Risikofaktor für Krankheiten wie Asthma, Multiple Sklerose oder Demenz.

Und tatsächlich gibt es einige Studien, in denen ein um bis zum 50 % reduziertes Vitamin-D-Level in Patienten nachgewiesen wurde, die Sonnenschutz verwendeten [8-10]. Allerdings handelte es sich hierbei um Studien mit sehr wenigen Patienten unter Laborbedingungen. Noch dazu fehlen bei einigen dieser Studien Informationen über den konkreten Versuchsaufbau sowie korrekte Kontrollen. Somit sind diese Ergebnisse mit Skepsis zu betrachten, wenn nicht sogar als fehlerhaft einzuordnen [11].

Andere Studien untersuchten ebenfalls die Auswirkungen von regelmäßigem Sonnenschutzgebrauch auf das Vitamin-D-Level im Körper. Wieder waren es die Australier, die sich eincremen durften: Bei 113 Probanden wurde in sieben Monaten mit SPF 17 kein statistisch signifikanter Unterschied des Vitamin-D-Levels zwischen Kontroll- und Cremegruppe festgestellt [12]. Diese Ergebnisse werden durch eine Studie aus Boston unterstützt [13]. Dass die Verwendung von Sonnenschutz die Vitamin-D-Produktion sogar erhöht, wurde ebenfalls nachgewiesen [14]. Dies liegt allerdings vermutlich daran, dass geschützte Menschen öfter und länger in die Sonne gehen als ungeschützte [15].

Somit ist auch dieser Mythos aufgeklärt: Sonnenschutz verursacht keinen Mangel an Vitamin D. Und selbst wenn es so wäre, könnte man diesem Mangel mit Nahrungsergänzungsstoffen vorbeugen.

Mythos 3: „Solariumsbräune schützt vor Sonnenbrand!“

Kurz und knapp: Nein. In der brandneuen (no pun intended!) Publikation mit dem schönen Titel „Does artificial UV use prior to spring break protect students from sunburns during spring break?“ mit 163 Probanden kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Solariumsbräune keinen Schutz vor Sonnenbrand bietet. Der Effekt ist sogar gegenteilig und erhöht zusammen mit anderen Risikofaktoren wie heller Haut, längerer Sonnenaufenthaltsdauer und Nichtverwendung von Sonnenschutz das Sonnenbrandrisiko.

Besonders erschreckend ist, dass die Gruppe der „Gewohnheitsbräuner“ einen Sonnenbrand als notwendiges Übel auf dem Weg zur gewünschten Hautfarbe erachtet und oft auf Sonnenschutzprodukte komplett verzichtet [16].

 

Dies ist das Ende der Märchenstunde – wenn ihr noch mehr davon kennt, dann schreibt sie mir doch in die Kommentare, ich werde mich bemühen, auch hier die bösen Wölfe und Hexen zu verjagen.

Im nächsten Teil der Sommersonnenschutzwochen: „Natürlicher Sonnenschutz: was funktioniert und wovon man lieber die Finger lassen sollte“.

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Adelsblass und Kunterbunt ist promovierte Molekularbiologin, forscht mit pflanzlichen Sekundärstoffen und lehrt Phytochemie und Pharmakologie an einer deutschen Universität.

1. Westerdahl, J., C. Ingvar, A. Masback, and H. Olsson (2000) Sunscreen use and malignant melanoma. Int J Cancer 87: 145-50.
2. Dennis, L.K., L.E. Beane Freeman, and M.J. VanBeek (2003) Sunscreen use and the risk for melanoma: a quantitative review. Ann Intern Med 139: 966-78.
3. Green, A.C., G.M. Williams, V. Logan, and G.M. Strutton (2011) Reduced melanoma after regular sunscreen use: randomized trial follow-up. J Clin Oncol 29: 257-63.
4. Lee, T.K., J.K. Rivers, and R.P. Gallagher (2005) Site-specific protective effect of broad-spectrum sunscreen on nevus development among white schoolchildren in a randomized trial. J Am Acad Dermatol 52: 786-92.
5. Gandini, S., F. Sera, M.S. Cattaruzza, P. Pasquini, D. Abeni, P. Boyle, and C.F. Melchi (2005) Meta-analysis of risk factors for cutaneous melanoma: I. Common and atypical naevi. Eur J Cancer 41: 28-44.
6. Green, A., G. Williams, R. Neale, V. Hart, D. Leslie, P. Parsons, G.C. Marks, P. Gaffney, D. Battistutta, C. Frost, C. Lang, and A. Russell (1999) Daily sunscreen application and betacarotene supplementation in prevention of basal-cell and squamous-cell carcinomas of the skin: a randomised controlled trial. Lancet 354: 723-9.
7. van der Pols, J.C., G.M. Williams, N. Pandeya, V. Logan, and A.C. Green (2006) Prolonged prevention of squamous cell carcinoma of the skin by regular sunscreen use. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 15: 2546-8.
8. Matsuoka, L.Y., L. Ide, J. Wortsman, J.A. MacLaughlin, and M.F. Holick (1987) Sunscreens suppress cutaneous vitamin D3 synthesis. J Clin Endocrinol Metab 64: 1165-8.
9. Matsuoka, L.Y., J. Wortsman, N. Hanifan, and M.F. Holick (1988) Chronic sunscreen use decreases circulating concentrations of 25-hydroxyvitamin D. A preliminary study. Arch Dermatol 124: 1802-4.
10. Matsuoka, L.Y., J. Wortsman, and B.W. Hollis (1990) Use of topical sunscreen for the evaluation of regional synthesis of vitamin D3. J Am Acad Dermatol 22: 772-5.
11. Burnett, M.E. and S.Q. Wang (2011) Current sunscreen controversies: a critical review. Photodermatol Photoimmunol Photomed 27: 58-67.
12. Marks, R., P.A. Foley, D. Jolley, K.R. Knight, J. Harrison, and S.C. Thompson (1995) The effect of regular sunscreen use on vitamin D levels in an Australian population. Results of a randomized controlled trial. Arch Dermatol 131: 415-21.
13. Harris, S.S. and B. Dawson-Hughes (2007) Reduced sun exposure does not explain the inverse association of 25-hydroxyvitamin D with percent body fat in older adults. J Clin Endocrinol Metab 92: 3155-7.
14. Kligman, E.W., A. Watkins, K. Johnson, and R. Kronland (1989) The impact of lifestyle factors on serum 25-hydroxy vitamin D levels in older adults: a preliminary study. Fam Pract Res J 9: 11-9.
15. Thieden, E., P.A. Philipsen, J. Sandby-Moller, and H.C. Wulf (2005) Sunscreen use related to UV exposure, age, sex, and occupation based on personal dosimeter readings and sun-exposure behavior diaries. Arch Dermatol 141: 967-73.
16. Dennis, L.K. and J.B. Lowe (2013) Does artificial UV use prior to spring break protect students from sunburns during spring break? Photodermatol Photoimmunol Photomed 29: 140-8.

 

Wenn Ihr in Eile seid und mir trotzdem zeigen möchtet, ob Euch der Artikel gefallen hat, dann lasst mir doch einfach Sternchen da! Bei Gedanken, Verbesserungsvorschlägen oder Hinweisen freue ich mich über ein Kommentar, um sie zu berücksichtigen!

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32 Comments

  • Ich finde diese Beiträge wirklich interessant 🙂
    Was hast du studiert, bzw was für eine Ausbildung hast du gemacht?

    • Hallo Marleen,

      ich habe einen Bachelor und Master in Molekularbiologie gemacht und dann meine Promotion auf einem pharmakologisch-molekular/zellbiologischem Thema angefertigt. Das hat dann zusammen knapp zehn Jahre gedauert, ist/war aber genau das, was ich wollte.

      🙂

  • Wieder mal ein wahnsinnig interessanter Beitrag! Vielen Dank dafür! Einige dieser Gerüchte kannte ich gar nicht. Die Vielzahl der Studien in diesem Gebiet beeindruckt mich aber.
    Ich trage im Gesicht jeden Tag LSF 30 (Eucerin Fluid) auf, weil ich meine Haut mit Fruchtsäure behandle. Findest du die Höhe ausreichend oder am Ende zu viel? Würde unter normalen Umständen auch LSF 15 reichen?

    In meinem Umfeld nehme ich den Wunsch braun zu werden sehr stark wahr. Oftmals höre ich, dass man mit Sonnenschutz ja nicht braun werden kann. Das stimmt so nicht, oder?!

    • Huhu Duhu,

      dass in den Studien so niedrige LSFs verwendet wurden, liegt sicher auch daran, dass es „damals“ (früher Nullerjahre) noch nicht viele Produkte mit LSF 30 oder höher gab. Aber es ist doch schon sehr erfreulich, dass bereits LSF 15 einen so guten Schutz vor Hautkrebs bietet. Es wird auch angenommen, dass höhere LSFs eine noch bessere Schutzwirkung haben und dann eventuell sogar der Entstehung von Plattenepithelkarzinomen entgegenwirken.

      Meiner Meinung nach gilt sowohl bei LSF als auch bei der Menge des verwendeten Sonnenschutzes: Viel hilft viel. LSF 15 ist gut, LSF 30 ist besser, „zu viel“ LSF gibt es nicht. Somit würde ich immer zur Verwendung eines hohen LSF raten!

      Ob man mit Sonnenschutz auch braun wird? Ja, aber eben langsamer und mit einem geringeren Risiko, sich zu verbrennen und die bekannten Spätfolgen davonzutragen. Außerdem gibt es mittlerweile Sonnenschutz mit Bräunungsbeschleunigern, lies doch dazu mal bei Agata vorbei:

      http://www.magi-mania.de/gelb-gelb-gelb/

      🙂

  • HA!
    Erst gestern habe ich mir (vorbildlich) ein Sonnenschutzfluid gekauft, mit LSF 30 (Bioderma Photoderm AKN Mat Fluid), und zwar (das ist weniger vorbildlich…) zum ersten Mal überhaupt… Ich hantiere nämlich auch mit Säuren und Retinol im Gesicht herum, spätestens seitdem muss ich endlich was unternehmen.
    Dass Menschen immer noch glauben, Sonnenbanknutzung würde vor Sonnenbrand schützen, finde ich wirklich erschreckend, mittlerweile wird man doch in jedem Damenkäseblättchen darüber informiert, dass das Unfug ist.
    Und dass Sonnenschutz krebserregend sein soll, halte ich für eine gerngenutzte Ausrede der Menschen, die sich einfach ungern eincremen wollen.. Lieber Sonnenbrand als Krebs, oder so ähnlich.

    • Huhu Nina,

      meiner Erfahrung nach sind es vor allem Anhänger der sagenwirmal „Missionars-Öko-Front“, die behaupten, dass Sonnenschutz Krebs verursacht. Aber das ist ein gänzlich anderes Thema, welche Bevölkerungsgruppe worüber was denkt und ob das fachlich richtig ist oder nicht…

      • Hallo Adelsblass – ich denke, dass der falsche Sonnenschutz in der Vergangenheit sehr wohl Hautkrebs verursacht hat und verursachen musste, und dass sicher auch die von Dir zitierte Studie von 2000 auf diesen Effekt reingefallen ist: Wenn man nämlich, wie bis in die 80er Jahre hinein üblich, nur einen UV-B-Schutz verwendet, dann kann man länger in der Sonne bleiben, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Also „tankt“ man dann auch eine wesentlich höhere Dosis der krebserregenden UV-A-Srahlen. Die Folge sind Falten und Hautkrebs. Das liegt natürlich dann immer noch an der Strahlung – aber der fehlende UV-A-Schutz ist in gewissem Sinne „schuld“.

  • Ich bin kein Fan von Nahrungsergänzungsstoffen.
    Deshalb mache ich auch mal nen Spaziergang ohne Sonnenschutz.
    Aber ansonsten ist das Eincremen bei mir Pflicht, weil ich auch ziemlich hellhäutig bin 🙂

    • Huhu Shenja,

      wie oben schon ausgeführt: Die Verwendung von Sonnenschutz führt _nicht_ zu Vitamin-D-Mangel. Also ist es unnötig bis gefährlich, sich ungeschützt der Sonne auszusetzen.

  • Vielen Dank für diese schöne Serie. Ich freue mich immer, wenn ein neuer Teil kommt.

    Ich benutze gerade die Kimberley Sayer Creme mit mineralischen Filtern und tatsächlich ist das die bisher am wenigsten weißelnde Sonnencreme, die ich ausprobiert habe. Toll, wie sich die Produkte da weiter entwickelt haben.

    • Hey Heli,

      das ist fein, dass Du die Artikel magst, ich habe auch viel Spaß daran, sie zu schreiben. Und die Entwicklung ist wirklich enorm – bin gespannt, was da noch alles auf uns zukommt!

    • ah – Das ist schön, dass sie Dir gefällt! ich finde sie für eine Sonnencreme auch ganz erstaunlich zart… hoffe, damit wirkt sie auch wirklich so gut, denn die kann man ja nahezu nicht dick auftragen!

  • Diese Artikelreihe ist eine super Idee!!
    Zu Punkt 1 fällt mir auch direkt ein, dass man den Zusammenhang nicht so sehen darf, dass Sonnencreme Krebs auslöst, sondern eher so, dass Leute, die sich mit Sonnencreme eingeschmiert haben, sich unvorsichtiger verhalten, weil sie meinen, sie seien komplett und 100%ig sicher.
    Dasselbe würde ich übrigens auch zu Punkt 3 sagen. Es ist mit Sicherheit nicht per se so, dass Menschen mit vorgebräunter Haut anfälliger für Sonnenbrand sind, sondern sie denken, sie sind aufgrund der Bräune besser geschützt und verhalten sich deshalb wiederum unvorsichtiger.

    Ich bin schon gespannt auf den nächsten Teil!! 🙂
    LG!

    • Liebe Kirsten,

      tjahaaa, so schlau wie Du sind eben leider nicht alle. Da wird ganz schnell aus Sonnenschutzverwendung (-> Unvorsicht / Anfälligkeit / längere Exposition) -> Hautkrebs der Mittelteil ausgeklammert…

  • „Und selbst wenn es so wäre, könnte man diesem Mangel mit Nahrungsergänzungsstoffen vorbeugen.“
    Ich liebe diese Einstellung! Es gibt sehr viel Schwarz-Weiß bzw. „Entweder-Oder“ Denken bei diesem Thema – man kann Vitamin D ergänzen und sich vor Sonnenschaden schützen – „Sowohl als auch“. Trotzdem liest man noch so oft, wie man sich angeblich nur wegen Vitamin D nicht eincremt 🙁

    • Huhu Agata,

      ich frage mich immer, wo dieser Unfug mit dem „Sonnenschutz = Vitamin-D-Mangel“ herkommt. Sogar der Laie kann nach drei Minuten Google rausfinden, dass das einfach nicht stimmt.

      *seufzel*

      Manchmal habe ich das Gefühl, dass es sich manche Zebras (also die SchwarzWeißDenker) unnötig schwer machen und vor allem unnötig viel Angst vor Dingen haben, die so ganz und gar nicht gefährlich und/oder schädlich sind…

  • Interessanter Beitrag! Ich finde die ganze Reihe super und freue mich jedes Mal, wenn ein neuer Teil erscheint. 🙂

    Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Sonnenschutz eher unwichtig war/ist und das Motto gilt: „Je brauner, desto besser und gesünder sehe ich aus!!!“. Sonnenbrand gehört eben dazu. Ich bin ganz froh, dass ich mich mit dieser Einstellung nie identifizieren konnte und sehr früh angefangen habe, immer Sonnenschutz zu tragen. Vor allem mein Vater ist ein Anhänger der „alten Schule“ und dem brauch man mit Sonnencreme nicht zu kommen.. das „Chemie-Zeug“ will er sich nicht antun. Und der Spruch mit dem Vitamin-D Mangel könnte auch von ihm kommen.. 😀 Aber solche Leute lassen sich auch nur schwer vom Gegenteil überzeugen, egal was die Fakten sagen.
    Auch in meinem Verwandtenkreis kann ich beobachten, dass die Kinder nur selten eingecremt werden, wenn, dann erst wenns 25°C+. Finde ich schon mehr als fahrlässig..

    • Huhu Sina,

      waaaah, sowas regt mich total auf. Kinder nicht vor Sonne zu schützen ist Körperverletzung! Manchmal hilft es, wenn man solche Eltern fragt, ob sie ihrem Kind auch erlauben würden, zu rauchen – da kommt dann ein entrüstetes „nein!“ und dann kann man darauf verweisen, dass Rauchen ebenso relevant für die Lungenkrebsentstehung ist wie Sonneneinstrahlung für Hautkrebs.

      Ansonsten hilft nur stetiges, fachlich fundiertes Meckern. Also zumindest in meinem Bekanntenkreis…

  • Wieder sehr interessant!
    Bin so froh, dass ich durch Euch mein Eucerin Fluid gefunden habe, denn Sonnenschutz fürs Gesicht zu finden, ist gar ncht so einfach. Ich will nicht glänzen, meine Haut soll aber auch nicht austrocknen/ schuppig/ wund werden; ich will ihn ohne make-up tragen können ohne wie Mumie auszusehen, er soll sich aber auch gut überschminken lassen, Pickel will ich nicht und mich einfach damit wohlfühlen. In den Augen auch nicht brennen..
    Eine Frage hätte ich noch ( vielleicht hab ichs auch überlesen):
    Stimmt es, dass Sonnenschutz aus dem letzten Jahr nicht mehr den deklarierten LSF hat?
    Also wirklich nicht mehr ( voll) wirksam ist?
    Soll man jedes Jahr das Produkt neu kaufen?
    Liebe Grüße,
    Martina

    • Huhu Martina,

      das freut mich sehr, dass Du mit dem Eucerin Sun Fluid ebenso zufrieden bist wie wir!

      Zur Sonnencreme vom letzten Jahr: Wenn sie ungeöffnet ist, dann kann man sie getrost noch verwenden. Bei geöffneten Packungen würde ich eine Lagerung im Kühlschrank empfehlen, wenn man sie länger nicht benutzt, dann kann man die Sonnencreme auch noch ein wenig später aufbrauchen. Bei geöffneten, ungekühlten Packungen wäre ich vorsichtig – der Inhalt ist dann zwar nicht total wirkungslos, aber die Wirksamkeit lässt nach. In welchem Umfang, lässt sich allerdings nicht konkret sagen.

      Bei vielen Sonnenschutzprodukten ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt, an das sollte man sich auch halten. Ansonsten würde ich im Zweifelsfall lieber die Produkte vom Vorjahr wegwerfen als einen Sonnenbrand zu riskieren.

      🙂

  • Vielen Dank für den Artikel! Ich liebe Deine Posts.
    Oft habe ich das Gefühl, dass sämtliche Aufklärung über UV-Strahlung beim Großteil der Bevölkerung überhaupt nicht angekommen ist. Ich lebe am Meer und bin im Sommer auch oft am Strand. Viele Touristen gehen halt immer noch diesen „nach-rot-kommt-braun-Weg“ und benutzen Sonnencreme, wenn überhaupt, nur in homöopathischen Dosen. Und „Missionars-Öko-Front“ *grins*: Sonne ist etwas natürliches und kann ja dann gar nicht schädlich sein, weswegen dann auch eine schön tief gebräunte Haut als gesund gilt und nicht als Vorstufe zu gegerbten Leder.
    Dank Euch habe ich übrigens auch das Sun Fluid von Eucerin gekauft und bin damit auch sehr zufrieden.

    • Huhu Alex,

      mit den Sonnenstrahlen ist es vermutlich so wie mit dem Rauchen – jeder/r weiß, dass es nicht gesund ist und trotzdem machen’s viele.

      *seufz*

      Da hilft nur gebetsmühlenartige Aufklärung. Auch wenn es mich manchmal eeeecht nervt, wenn ich zehn Minuten erklärt habe und dann ein „Ach, ist mir egal, ich will einfach braun sein, egal, wie!“ entgegnet bekomme…

  • Ich lese deine Artikel mit wachsender Begeisterung! Zwar kannte ich die meisten Mythen und wusste um ihre Fehlerhaftigkeit, aber es ist super auch mal fundierte Gründe zu haben, die diesen widersprechen.
    Deine Erklärungen sind übrigens auch einfach toll und gut zu verstehen.

  • Mich begeistern deine Beiträge immer und wegen dir habe ich mir ein Sonnenfluid mit LSF 30 von der dm Eigenmarke gekauft und für den Körper ein Spray mit LSF 50. Aprés Lotion musste auch direkt mit, da ich bald auf Kanutour bin und den ganzen Tag in der Sonne sein werde und da ich sehr blass bin habe ich mir das lieber direkt dazu geholt. Aber ich hoffe einfach, dass der Sonnenschutz ausreichen wird und ich die Aprés Lotion nicht brauchen werde! 😀

  • Hallo, auch wenn der Eintrag schon länger her ist….
    Zunächst wollte ich nur kurz sagen, dass ich es wirklich sehr toll finde, dass du dir die Zeit nimmst dein fachliches Wissen für mit der Allgemeinbevölkerung zu teilen!

    Meine Frage lautet: stimmt es, dass man über mineralischen Sonnenschutz kein Make-Up aufgragen sollte, weil dann die Partikel das Sonnenlicht nicht mehr reflektieren können?
    Und gibt Hinweise darauf, dass chemischer Sonnenschutz Hyperpigmentierungen durch Sonne bedingt fördern kann?

    Ich frage deshalb, weil ich endlich einen Weg gefunden habe meine Akne in Schach zu halten, indem ich täglich meine Haut mit AHA (8%) und BHA (2%) von Paulas Choice peele.
    Irgendwie habe ich Angst, dass ich dadurch mit Spätfolgen bedingt durch Sonneneinstrahlung rechnen muss. Natürlich trage ich deshalb täglich (derzeit mineralischen) Sonnenschutz mit LSF 20 oder 30 und frag mich ob das Make-Up danach dann die Schutzwirkung nicht wieder aufhebt?!? Und riskiere ich ebenfalls Langzeitschäden, wenn ich eben MakeUp bedingt NICHT nachcreme? Damit meine ich Situationen wie – ich stehe auf, creme gehe 8h arbeiten (drinnen) und gehe wieder nachhause – also nicht beim Strandurlaub/Sport ect, da hab ich ja dann sowieso keine Foundation und creme mehrmals sogar dicker nach.

    • Hallo Maria,

      entschuldige, dass ich mich erst heute melde, aber die Arbeit, die Arbeit… hält einen immer von der Freizeit ab!

      Meiner Meinung nach ist es so, dass ein mineralischer Sonnenschutz auch dann noch „wirkt“, wen darüber Foundation getragen wird. Die kleinen Partikel, die die Sonnenschutzwirkung bedingen, bleiben schließlich auf der Haut liegen, auch wenn noch eine andere Schicht darüber aufgetragen wird. Schlussendlich ist es aber nach meinem Dafürhalten so, dass die beste Wahl immer ein Sonnenschutz ist, der mineralische und chemische Filter enthält.

      Allerdings wäre ich vorsichtig, denn ob wirklich 100 % des LSF noch erreicht wird, wenn man durch Foundationauftrag eventuell einen Teil mit dem Pinsel/Händen/Schwamm wieder „runterrubbelt“ – das bezweifle ich. Also lieber beim Sonnenschutz zu LSF 50 greifen, dann bleibt vermutlich noch LSF 25 übrig.

      Wenn Du weiterhin Bedenken hast, was die Kombination von Sonnenschutz und Foundation angeht, dann würde ich Dir zu einer mineralischen Foundation raten, die interveniert sicher nicht mit dem mineralischen Sonnenschutz oder direkt zu einem Kombinationsprodukt. Hier zwei Tipps zu Produkten, die ich auch schon mal betrachtet (aber nie ausprobiert!) habe:

      http://www.avene.at/produkt/mineralische-kompakt-sonnencreme-50-gold
      http://www.chrimaluxe-minerals.de/Mineral-Foundation,cat-44

      So wie Du Deinen Alltag beschreibst, bist Du mit einem LSF von 20-30 (NACH Auftrag) auf jeden Fall ausreichend geschützt, da Du Dich ja nicht stundenlang in der Sonne aufhältst.

      Was die Hyperpigmentierung angeht: Diese wird durch Sonnenschutz normalerweise verhindert und nicht gefördert. Wobei es individuell verschieden ist, wie stark die Neigung zur Hyperpigmentation ist wie stark die Schutzwirkung durch Sonnenschutz für jede/n Einzelne/n ist. Bei meiner schnellen Suche in den wissenschaftlichen Datenbanken konnte ich keine Studie finden, die einen direkten Zusammenhang zwischen der Benutzung von Sonnenschutz und dem Entstehen von Hyperpigmentation herstellt.

      Ich hoffe, dass ich Dir helfen konnte, danke herzlich für das Lob und grüße vergnügt aus dem Labor:

      A&K.

  • Hallo Adelsblass&Kunterbunt!

    Wie alle deine bisherigen Artikel, finde ich diesen auch wieder einmal sehr aufschlussreich!
    Ich habe einmal eine konkrete Frage zu der weiter oben schon einmal erwähnten Kimberly Sayer Sonnencreme UltraLight LSF 30, welche „Lemon Peel Oil“ enthält. Nun habe ich schon häufiger einmal davon gelesen, dass dieses, topisch aufgetragen, die Photosensibilität erhöht, was natürlich kontraproduktiv wäre. Kannst du mir sagen, ob diese Behauptung begründet oder Quatsch ist?

    • Sicher wird Adelsblass & Kunterbunt auch noch antworten – gerne möchte ich aus persönlicher Erfahrung mit der Creme aber auch noch etwas dazu sagen: Das Lemon Peel Oil ist mit unter 1% enthalten und die Sonnenschutzelemente (Zinkoxid und Titaniumdioxid) schützen die Haut zusätzlich. Ich habe trotz empfindlicher und sehr heller Haut kein negativen Dinge je bemerkt und die Creme bereits 2 mal nachgekauft.- Haut ist natürlich unterschiedlich. Ich bin gespannt, was Adelsblass & Kunterbunt aus wissenschaftlicher Perspektive noch antworten wird 🙂 Liebe Grüße!

    • Hallo Anonietta,

      danke für Deine netten Worte!

      Zitronenschalenöl enthält zu 1,5 – 2 % Furanocoumarine, rund 2 % Neral und etwa 4 % Geranial, die tatsächlich phototoxisch sind.

      Quelle: http://www.absolute-aromas.com/file_uploads/Products/pdf/Organic%20Lemon%20MSDS%20OR011.pdf

      In einer Studie, bei der pures Zitronenschalenöl an fünf Probanden getestet wurde, erwies sich die Konzentration von 1 % bei der Hälfte der Probanden als irritierend, in der Konzentration von 0,1 % wurde keine Reaktion beobachtet.

      Kejlová K1, Jírová D, Bendová H, Gajdoš P, Kolářová H. (2010) Phototoxicity of essential oils intended for cosmetic use. Toxicol In Vitro. 24:2084-9

      Da ich davon ausgehe, dass die Konzentration an Zitronenschalenöl in der Kimberly Sayer Sonnencreme sehr gering ist (an Stelle 12 der INCIs, bei Amazingly wird die Menge mit unter 1 % angegeben), wird die Konzentration, die dann wirklich auf der Haut landet, sehr wahrscheinlich keine pharmakologisch unerwünschte, phototoxische oder photosensibilisierende Wirkung haben. Wäre ja auch irgendwie ganz schön doof in einer Sonnencreme.

      Ich hoffe, dass ich Dir helfen konnte und alles Liebe!

      A&K

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