Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit – Teil 2 – Silikone

Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit

– Teil 2 –

Silikone

 

In den Weiten des www spuken allerlei Informationen zu Kosmetik-Inhaltsstoffen herum. Da es für den Laien schwierig ist, hier zwischen „richtig und falsch“ zu unterscheiden möchte ich euch mit dieser Artikelserie eine Einschätzungshilfe für die (Un-)Gefährlichkeit verschiedener Inhaltsstoffe geben. 

 

Bei „Silikon“ denken viele sicher zuerst an Pamela Anderson. Aber außer in Brustimplantaten finden sich Silikone auch in Hautcremes, Haarspülungen und dekorativer Kosmetik wie Lidschatten oder Foundations. Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Arten der Silikone unterscheiden:

  • Wasserlösliche: Dimethicone copolyol (auch: Dimethylsiloxane-glycol copolymer), Hydroxypropyl Silicone Oil, Lauryl methicone copolyol, Polysiloxane, Trideceth-12, PEG/PPG-14/4 Dimethicone.
  • Bedingt wasserlösliche: Amodimethicone, Behenoxy Dimethicone, Stearoxy Dimethicone.
  • Wasserunlösliche: Dimethicone, Dimethiconol, Cetearyl methicone, Cetyl Dimethicone, Cyclomethicone, Cyclopentasiloxane, Stearyl Dimethicone, Trimethylsilylamodimethicone.

Was macht Silikone so interessant? Sie haben die Eigenschaft, auf Oberflächen eine wasserabweisende Schicht zu bilden, was den Austausch von Feuchtigkeit durch diese Schicht hindurch verhindert. In der Medizin werden silikonhaltige Cremes z.B. zur Pflege von Narben [1] und nach Hauttransplantationen [2] eingesetzt. Silikone sind sehr große Moleküle, die nicht durch die Haut in den Körper eindringen können [3]. Vielmehr legen sie sich wie ein „Mantel“ auf Haut und Haare und füllen dabei die darin vorhandenen „Lücken“ auf, was ihren Einsatz in „Anti-Age“-Produkten, Haarspülungen, Lippenstiften, Lidschatten und Foundations erklärt: Nach der Gabe von Silikon sieht die Unterlage geglättet und ebenmäßig aus.

Sind Silikone gefährlich? In den Mengen, die normalerweise in Kosmetika enthalten sind (zwischen 0,005 und 30 %), nicht. So konnte nachgewiesen werden, dass Silikone in diesem Konzentrationsbereich bei dermaler Anwendung hypoallergen, nicht comedogen, nicht mutagen und nicht cancerogen sind und auch nicht zu Hautirritationen und Sensibiliserung führen [4].

Das klingt alles so, als ob Silikone das absolute Wundermittel für und gegen alles wären. Aber stimmt das auch? Wie bereits oben beschrieben, bilden Silikone einen wasserundurchlässigen Film auf der Menschenoberfläche. Die Konsequenz hieraus ist, dass Schweiß, der sich auf der Haut bildet, nicht verdunsten kann. Dies kann zu einem Aufquellen der Haut führen, was wiederum eine Verschlechterung der Hautbeschaffenheit bedingen kann. Außerdem ist der Effekt von Silikonen ein rein optischer – trockene Haut wird durch Silikone nicht stärker mit Feuchtigkeit versorgt, Falten verschwinden nicht und eine angegriffene Haarstruktur wird nicht verbessert. Deshalb ist es wichtig, bei der Auswahl silikonhaltiger Produkte darauf zu achten, dass sie eine ausreichende Menge pflegender Inhaltsstoffe enthalten, damit es nicht nur beim schönen Schein bleibt.

Und wie sieht es mit den durch Silikone „beschwerten“ Haaren aus? Dieser unerwünschte Nebeneffekt ist mittlerweile Geschichte. Wurden früher noch wasserunlösliche Silikone in Haarpflegeprodukten benutzt, sind die Firmen heute fast vollständig auf wasserlösliche Silikone umgestiegen. Diese werden bei der Haarwäsche nahezu rückstandslos ausgewaschen und können somit das Haar nicht mehr beschweren.

Allerdings werden Silikone mit umweltgiftigem, chloriertem Kohlenwasserstoff hergestellt und sind nicht biologisch abbaubar. Dies mag zwar nicht direkt mit der Hautgesundheit zu tun haben, bewiegt aber zumindest mich, bei Haarpflegeprodukten aus Umweltschutzgründen auf Silikone zu verzichten.



Adelsblass und Kunterbunt ist promovierte Molekularbiologin, forscht mit pflanzlichen Sekundärstoffen und lehrt Phytochemie und Pharmakologie an einer deutschen Universität. 

Bisherige Teile der Reihe:
Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit – Teil 1 – Arbutin und Hydrochinon

 

[1] Sawada Y, Sone K (1992) Beneficial effects of silicone cream on grafted skin. Br J Plast Surg 45, 105-108.
[2] Sawada Y, Sone K (1990) Treatment of scars and keloids with a cream containing silicone oil. Br J Plast Surg 43, 683-688.
[3] Hobbs EJ, Fancher OE, Calandra JC (1972) Effect of selected organopolysiloxanes on male rat and rabbit reproductive organs. Toxicol Appl Pharmacol 21, 45-54.
[4] Nair B (2003) Final report on the safety assessment of stearoxy dimethicone, dimethicone, methicone, amino bispropyl dimethicone, aminopropyl dimethicone, amodimethicone, amodimethicone hydroxystearate, behenoxy dimethicone, C24-28 alkyl methicone, C30-45 alkyl methicone, C30-45 alkyl dimethicone, cetearyl methicone, cetyl dimethicone, dimethoxysilyl ethylenediaminopropyl dimethicone, hexyl methicone, hydroxypropyldimethicone, stearamidopropyl dimethicone, stearyl dimethicone, stearyl methicone, and vinyldimethicone. Int J Toxicol 22 Suppl 2, 11-35.