Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit – Teil 4 – Silica

Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit

– Teil 4 –

Silica

 

In den Weiten des www spuken allerlei Informationen zu Kosmetik-Inhaltsstoffen herum. Da es für den Laien schwierig ist, hier zwischen „richtig und falsch“ zu unterscheiden möchte ich euch mit dieser Artikelserie eine Einschätzungshilfe für die (Un-)Gefährlichkeit verschiedener Inhaltsstoffe geben. 

Einmal in die Puderdose geniest und schon hat man Lungenkrebs – so erscheint manchmal die Risikoeinschätzung von Silica. Müssen wir uns jetzt also Sorgen machen? SiO2 oder auch Quarzstaub findet sich vor allem in der Porzellanproduktion und in Erz- oder Goldmienen, wird aber auch für den Porzellanteint in Pudern, Lidschatten oder Cremes benutzt.

Bereits 1923 wurde eine Krankheit namens Silikose beschrieben, die bei Arbeitern in einer Goldmine festgestellt wurde [1]. Diese Kurzatmigkeit, die durch Entzündungen und Vernarbungen der oberen Atemwege bedingt ist, war eine Folge von jahrelangem Einatmen von Quarzstaub. Zahlreiche Studien folgten und kamen zu keinem übereinstimmenden Ergebnis. Auch wenn in einigen ein direkter Zusammenhang zwischen jahrelanger, täglicher Exposition und dem Auftreten von Lungenkrebs vermutet wird, ist die aktuelle Lehrmeinung doch die, dass Silica kein Cancerogen ist und nicht zur Ausbildung von Lungenkrebs führt [2].

Ganz abgesehen davon darf nicht vergessen werden, dass die Menge an Silica, denen Arbeiter in der Porzellanindustrie, Gold- und Erzminen oder in Steinschleifereien ausgesetzt sind, in keinerlei Verhältnis zu Kosmetikverrückten steht. Die Verwendung jeglicher Kosmetik, die Silica enthält, ist höchstwahrscheinlich vollkommen gefahrlos und vermutlich wird niemand auf die Idee kommen, täglich größere Mengen Puder einzuatmen.

Die Warnung vor Silica, wie sie seitens Codecheck oder Öko-Test geschieht, ist meiner Meinung nach reine Panikmache. Einen Kosmetikbenutzer mit einem Minenarbeiter gleichzustellen ist eine grobe Fehlinterpretation der epidemiologischen Daten und sollte baldmöglichst kritisch überdacht werden.




Adelsblass und Kunterbunt ist promovierte Molekularbiologin, forscht mit pflanzlichen Sekundärstoffen und lehrt Phytochemie und Pharmakologie an einer deutschen Universität. 

 

[1] Elliott JH (1923) Silicosis in Ontario Gold Miners. Trans Am Climatol Clin Assoc 39, 24-43.
[2] Gamble JF (2011) Crystalline silica and lung cancer: a critical review of the occupational epidemiology literature of exposure-response studies testing this hypothesis. Crit Rev Toxicol 41, 404-465.