Inhaltsstoffe von Kosmetika – Dichtung und Wahrheit – Teil 6/1 – Sonnenschutz: Basiswissen

Inhaltsstoffe von Kosmetika: Dichtung und Wahrheit

– Teil 6/1 –

Sonnenschutz: Basiswissen

In den Weiten des www spuken allerlei Informationen zu Kosmetik-Inhaltsstoffen herum. Da es für den Laien schwierig ist, hier zwischen „richtig und falsch“ zu unterscheiden möchte ich euch mit dieser Artikelserie eine Einschätzungshilfe für die (Un-)Gefährlichkeit verschiedener Inhaltsstoffe geben.

Was gibt es Schöneres, als sich die Haut von der warmen Frühlingssonne kitzeln zu lassen? Eigentlich nichts, vorausgesetzt, die Haut ist optimal vor den Bestandteilen der Sonneneinstrahlung geschützt, die zu Hautschäden bis zu Hautkrebs führen können.

Generell empfiehlt es sich, das ganze Jahr einen entsprechenden Schutz aufzutragen, doch warum und wie viel davon ist sinnvoll? Bevor ich im zweiten Teil dieses Artikels konkret auf die gängigen Inhaltsstoffe eingehen werde, gibt es jetzt Informationen rund um diese Fragen.

Herzlichen Dank an David McCandless @ Information is Beautiful für die Erlaubnis, seine großartige Grafik hier nutzen zu dürfen, die euch die Lektüre meines Gefasels (fast) erspart!

UVA und UVB

Sonnenlicht besteht aus zwei Arten von UV-Strahlen. Etwa 95 % der UVA-Strahlung erreicht die Erde und aktiviert das Melanin, das in der obersten Hautschicht vorhanden ist – man wird braun. Darüber hinaus dringt UVA auch in tiefere Hautschichten ein und bedingt so die Hautalterung, die sich in Fältchen niederschlägt, da die Haut ihre Elastizität verliert. Noch schlimmer ist aber, dass UVA den oxidativen Stress der Zellen erhöht und so die Entstehung von Hautkrebs fördern kann.

Im Gegensatz zu UVA gelangen nur etwa 10 % der UVB-Strahlung zu uns. UVB regt die Neubildung von Melanin an – Pigmentflecken können entstehen. Außerdem wird durch UVB die Haut angeregt, sich zu „verdicken“, um sich zu schützen. Sonnenbrand bekommt man von UVB-Strahlung: Je öfter und heftiger, desto größer ist das persönliche Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

Die WHO hat 2009 UV-Strahlung in die höchste Krebsrisikogruppe aufgenommen, in die z.B. auch Tabak und ionisierende Strahlung eingeordnet werden.

Hautkrebs geht uns alle an

Auch wenn Hautkrebs zu den Krebsarten gehört, die am leichtesten zu verhindern, diagnostizieren und heilen sind, so erkranken doch jährlich etwa 234.000 Menschen in Deutschland daran. Etwa 3.000 sterben jedes Jahr am malignen Melanom. Die Anzahl der Erkrankungen hat in den letzten Jahren massiv zugenommen, dies liegt vermutlich zum einen an der Sucht nach Bräune als auch an den flächendeckenden Vorsorgeuntersuchungen [1].

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Übrigens hatte ich letztes Jahr bei dieser Vorsorgeuntersuchung das zweifelhafte Vergnügen, einen meiner Leberflecke als „auffällig“ diagnostiziert zu bekommen. Und das, obwohl ich in meinem Leben noch nie (!) einen Sonnenbrand hatte (danke, Mama!), wirklich jeden einzelnen Tag Produkte mit mindestens SPF 15 nutze und niemals in die pralle Sonne gehe. Zum Glück hat sich mein Leberfleck seither nicht verändert und somit ist diese Sorge erst mal vom Tisch, aber was lernen wir daraus: Auch Adelsblässe schützt nicht vor Hautkrebsverdacht!

Klassifikatoren für Sonnenschutz: PPD, PA, SPF und Sterne

Die beste Vorsorge gegen vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs ist und bleibt Sonnenschutz. Als Faustregel gilt, dass sich helle Hauttypen ungeschützt maximal 10, mittlere Hauttypen 15 und dunkle Hauttypen 20 Minuten in der Sonne aufhalten sollten, ohne Schäden zu riskieren. Diese individuelle Sonnenstrahlungsaufenthaltsdauer kann dann mit dem Schutzfaktor des Sonnenschutzes multipliziert werden, um herauszufinden, wie maximal lange man sich mit Schutz in der Sonne aufhalten sollte.

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Doch worauf sollte man achten? Der Sonnenschutz muss gegen UVA und UVB wirken. Je nach Land wird die Schutzwirkung mit unterschiedlichen Klassifikatoren angegeben. Bei europäischen Produkten weißt das Zeichen „UVA“ in einem Kreis darauf hin, dass der UVA-Schutz der EU-Empfehlung entspricht. Diese Empfehlung schreibt vor, dass der UVA-Schutz mindestens einem Drittel des UVB-Schutzes entsprechen muss.

Je nach Land gibt es noch andere Sonnenschutzeinheiten: In Japan wird der Schutz gegen UVA-Strahlung in Persistent Pigment Darkening (PPD) gemessen, der PPD-Faktor kann wie der SPF mit der individuellen ungeschützen Sonnenstrahlungsaufenthaltsdauer multipliziert werden.

Der Protection Grade of UVA (PA) bezieht sich ebenfalls auf die Schutzwirkung gegen UVA-Strahlung. PA+ bedeutet einen Schutzfaktor von 2-4, PA++ 4-8, PA+++ steht für mehr als 8.

In Großbritannien, Irland und Australien findet man oft Sterne, die den Schutz gegen UVA klassifizieren. Das Maximum sind 5 Sterne und mir persönlich ist bisher kein Produkt begegnet, das weniger gehabt hätte.

Weniger konfus geht es bei UVB zu: Der Sun Protection Factor (SPF) bezieht sich auf die Schutzwirkung gegen UVB-Strahlen und wird international nahezu einheitlich eingesetzt.

Bei der Wahl des Schutzfaktors rate ich dazu, auf jeden Fall einen Breitband-Sonnenschutz zu verwenden, der sowohl gegen UVA als auch gegen UVB schützt. Der SPF sollte meiner Meinung nach mindestens 30 betragen, wobei es strittig ist, ob Schutzfaktoren wie 50 oder gar 70 überhaupt einen wesentlichen Vorteil bringen – SPF 30 schützt gegen 96,67 % der UVB-Strahlung, SPF 50 gegen 98,33 % [2]. In Europa wird die maximale Schutzwirkung mit SPF 50+ bezeichnet, da es im Labor nicht mehr möglich ist, einen höheren SPF als 50 fehlerfrei zu messen.

Übrigens ist auch der Begriff „Sunblocker“ irreführend: kein Produkt kann 100 % Schutz gegen UV-Strahlung bieten. Hier handelt es sich um ein Marketingmärchen, das jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

Zu bedenken ist bei alledem, dass jede Minute, die man außerhalb seiner dunklen Kammer verbringt, eine Minute ist, die zählt. Und der Schutz ist auch nur dann gewährleistet, wenn die richtige Menge an Sonnenschutz aufgetragen wird.

Die Menge macht’s

Der angegebene Sonnenschutzfaktor gilt nur, wenn 2 mg Creme pro cm2 Haut aufgetragen werden. Da der Mensch durchschnittlich etwa 1,7 m2 Hautoberfläche hat, also 17.000 cm2, müsste dieser Durchschnittsmensch sich mit 34.000 mg, also 34 g Sonnencreme bedecken, wenn er wirklich jeden Winkel seines Körpers geschützt der Sonne aussetzen wollte.

Da vermutlich niemand von uns immer mit der Küchenwaage hantieren möchte, gilt beim Auftrag die „11 Zonen x 2-Finger-Regel“: Auf 11 Körperzonen (Kopf, Brust, Bauch, Rücken, Hüften/Po, Ober-, Unterschenkel, Arme) werden jeweils zwei Cremestränge in Fingerlänge aufgetragen, um den optimalen Schutz zu gewährleisten. Leider nimmt der Schutz mit abnehmender Auftragsmenge nicht linear, sondern exponentiell ab – wenn man also nur die Hälfte der geforderten Menge des SPF 50 aufträgt, hat man keinen SPF 25 auf der Haut, sondern nur etwa 7 [3].

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Dieser Schutz besteht aber nur, wenn regelmäßig nachgecremt wird. Wie Studien beweisen, geht viel der Potenz des Sonnenschutzes über den Tag verloren, so konnte nach 8 Stunden typischer Urlaubsaktivitäten nur noch 43 % des am Morgen aufgetragenen SPF nachgewiesen werden [4]. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Nachcremen die individuelle Sonnenstrahlungsaufenthaltsdauer nicht verlängert – auch mehrmaliges Eincremen macht aus einem SPF 15 keinen SPF 30!

Ich will aber braun werden!

Kurz und knackig: Eine „gesunde“ Bräune gibt es nicht. Die Hautverfärbung ist die Abwehrreaktion des Körpers, sozusagen der farbige Faustschlag auf die Nase der Sonne. Und wie bei Schlägen, so gilt es auch, der Sonne auszuweichen, vor allem zwischen 10 und 16 Uhr, da hier die UV-Strahlung am stärksten ist. Wer in dieser Zeit nicht im Keller sitzen möchte, sollte sich im Schatten aufhalten, gerne auch unter dem eines mobilen Sonnenschirms. Je mehr des Körpers durch Kleidung verdeckt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, bleibende Schäden davonzutragen.

Und für alle anderen Körperregionen gilt: cremen, cremen, cremen. Hier hilft viel auch viel und wer lange runzel-, fleck- und vor allem krebsfrei durchs Leben gehen möchte, der sollte sich angewöhnen, jeden einzelnen Tag Produkte mit einem SPF zu nutzen und regelmäßig an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, deren Kosten ab einem Alter von 35 von der Krankenkasse übernommen werden.

Wer sich noch tiefer ins Thema einlesen möchte, dem sei die Internetseite der WHO empfohlen, die mit ihrem INTERSUN-Programm seit 1992 dem Hautkrebs den Kampf angesagt hat.

***Ein Klick auf das Bild und Ihr kommt zu ihren Artikeln***



Adelsblass und Kunterbunt ist promovierte Molekularbiologin, forscht mit pflanzlichen Sekundärstoffen und lehrt Phytochemie und Pharmakologie an einer deutschen Universität.

1. http://www.gekid.de
2. Schalka S, Reis VM (2011) Sun protection factor: meaning and controversies. An Bras Dermatol 86: 507-515.
3. Faurschou, A. and H.C. Wulf (2007) The relation between sun protection factor and amount of suncreen applied in vivo. Br J Dermatol, 156: 716-719.
4. Bodekaer M, Faurschou A, Philipsen PA, Wulf HC (2008) Sun protection factor persistence during a day with physical activity and bathing. Photodermatol Photoimmunol Photomed 24: 296-300.

 

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