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2. Wie hast du es gelernt, Make-up zu verwenden?
Zuerst völlig falsch: von meiner Mutter („Kind! Schmink dich! Ungeschminkt geht man nicht aus dem Haus oder achtest du etwa nicht auf dich?!“ und „Die Foundation soll so aussehen, damit Deine Haut nicht so krank und blass aussieht wie sonst!“) *hust* … ja…  
Dann… mmh… gelernt… (?) *grübel* … Ausprobiert würde ich sagen. Mit dem Taschengeld die Wunderwelt des Dm betreten und die Farben gekauft, die mir gefielen. Was nicht immer gut war. Ich weiß noch gut wie die Mutter eines Freundes mir einmal sagte „blauen Kajal trägt man nicht zu blauen Augen“. Dieser Moment existiert in meiner Liste der peinlichsten Augenblicke, gleichzeitig war ich dankbar für ihre Aufrichtigkeit, denn Mode- und Farbsünden begeht man auch so schon genug – es müssen ja nicht unnötig mehr sein. 
Dann wurde es sehr einfach, mich zu schminken, weil ich Gothic war (schwarzer Lidstrich, Wimperntusche- fertig; bei großen Abenden: viel Lidstrich, viel Wimperntusche, viel schwarzer Lippenstift – fertig). Und es gab wunderschön geschminkte Frauen in der Szene. Einige sehr filigran geschminkt, ornamental. Andere sehr weiblich und lasziv und wieder andere sehr hart oder minimalistisch. Es gab sehr viele Eindrücke, die mich damals ästhetisch und von den Interessen geprägt haben und auch wenn man mir diese Zeit nicht mehr ansieht: es ist einiges hängen geblieben und es war eine gute Zeit und tolle Menschen.
Abendmakeup mit 16 🙂
Quelle: Kühlschrankmagnet
Erst viel später habe ich mir Bücher über Make-up zugelegt. Eines der besten: Kevin Aucoin, All about Make-up. Zunächst wird darin im ersten Kapitel „Die Kunst des Make-ups“ über die Grundlagen gesprochen, die Materialien, die Techniken und das visuell sehr anschaulich und ansehnlich. Dann im Kapitel „Schönheiten“anhand von Frauen / Frauentypen ein passendes Make-up Schritt für Schritt besprochen. Und im Kapitel „Looks“ geht es um Frauentypen (Der Vamp, Die Puristen, die Punkerin, die Rätselhafte, die Intellektuelle, usw.) und auch Looks aus verschiedenen Zeiten. Dieses Buch war ein absoluter Glücksgriff und mit ihm hat sich viel verändert.
Es war die Zeit, in der ich mit Make-up angesteckt worden bin und völlig begeistert war, wie unterschiedlich man aussehen kann mit wenigen Handgriffen und Nuancen. Und dann begann es mir Spaß zu machen, selbst jeden Tag ein wenig nach Lust und Laune anders auszusehen. Nicht nur mit Make-up, auch mit Kleidung und beides entweder aufeinander abzustimmen oder auch mal zu „brechen“ (Kapuzenpulli und dramatisches Make-up, Hosenanzug und außergewöhnliche Farben im AMU).
Ich ließ mir drei Mal Termine bei MakeupArtists geben (2x MAC, 1x ein Schminkkurs für Smokey Eyes im Douglas), von denen ich viel gelernt habe. Oft bringt ein Mensch von außen auch nochmal spannende Ideen für Farben und Formen hinein.
Und nicht zuletzt habe ich von Blogs und Youtube vieles gelernt. Die Pixiwoo-Schwestern beispielsweise oder Lisa Eldridge.
Ich lerne heute noch ganz viel über Make-up, über Kniffe und Tricks, Farbzusammenstellungen oder Produkte – und zwar durch diese Plattform und so viele Beautyinteressierte, die mit vielem, was sie tun zeigen, dass Kosmetik nicht nur oberflächlich sein muss, sondern mit all den Pinseln, Farben, Formen, Nuancen und Veränderungen fast eine Art Kunst ist und eher etwas von einem Sandbild hat, das mit viel Präzision erschaffen wird, um dann nur wenige Stunden zu existieren.
Sandbild – Quelle http://www.muensterlandzeitung.de