Bereits vor einigen Monaten hatte mich der Trailer des Films sehr angesprochen. Er wirkte gleichzeitig frech, politisch, weiblich und interessant. Eine perfekte Mischung für einen Abend wie gestern, an dem ich Lust hatte etwas zu sehen, das mich auf  mehreren Ebenen unterhält. Und das hat er wirklich.

Ausgeliehen über iTunes für 4,99 Euro.

Handlung:
Die 60er Jahre in den Südstaaten. Wenn Frauen studieren, dann nur, um mehr Prestige für ihre Ehemänner zu bringen oder damit zu zeigen, dass ein Mann es sich „leisten“ kann, ein gebildetes Frauchen zu halten. Die Frisuren, das Make-up, die Kleider. Weiblichkeit in Perfektion und dabei den Haushalt mit Links schmeißen. Dass dabei in diesen Zeiten Dienstmädchen diese Perfektion aufrechthalten, die weißen Kinder großziehen und dabei selbst nicht einmal auf die gleiche Toilette gehen dürfen, fällt auf der oberflächlichen Bühne fast nicht auf, ist selbstverständlich.

Überhaupt ist an diesem Film sehr spannend, was vor noch nicht allzulanger Zeit „selbstverständlich“ war. Und ich meine das auf mehreren Ebenen, denn einerseits geht es Vordergründig um die politische Lage, die „Rassentrennung“, die Ausbeutung der Schwarzen in der Geschichte Amerikas, die letztlich in den 60ern eine modernisierte Sklaverei entwickelt hatten. Aber es geht auch um das Selbst- und Rollenverständnis der Frau an sich – und dadurch auch – wenn man sich traut auf die andere Seite des Spiegels zu gucken – die Rolle des Mannes, die in diesem Film eher rückblickend im Kontrast auffällt – und zwar durch seine Eindimensionalität. Ich denke immer wieder – gerade auch in Filmen über die weibliche Rolle innerhalb einer Zeit oder Kultur, dass es auch eine Aussage über die männliche ist – und auch die ist nicht immer einfach. (Auch die Serie Mad Men bietet da interessante Einblicke für beide Geschlechter) –  Aber die männliche Rolle fällt in diesem Film eher stillschweigend auf, wenn man auf die leisen Töne hört, denn es geht um die weibliche Rolle und um die verschiedenen kulturellen Schichten zwischen den farbigen Dienstmädchen und den affektierten weißen Püppchen, die herrlich dargestellt sind. Ein Lob an die Schauspielerinnen!

Weil es immer Ausnahmen geben muss: unsere Protagonisten will Journalistin / Schriftstellerin werden und ist von der Künstlichkeit ihrer weiblichen Umgebung eher abgeschreckt. Sie beginnt ein Projekt zu starten und die Geschichten der Dienstmädchen zu sammeln. Auf der Ebene könnte dies noch ein netter, typischer Frauenroman sein, der auf allen Ebenen mit Leichtigkeit brilliert. Aber es wird deutlich wie gefährlich diese Zusammenarbeit zwischen Weißen und Schwarzen der damaligen Zeit für beide Seiten sein konnte, ohne dabei überdramatisch zu werden. Und auch „White Trash“ kommt nicht zu kurz – auf eine liebevolle Art und Weise. Die Verbindung zwischen Ausgestoßenen die es in beiden Lagern gibt.

Es geht um einen Wechsel der Selbstverständlichkeiten, um Zivilcourage, um Frauen und Männer, Menschenwürde, um Lebensqualität und -sinn.

 

Fazit:
Der Film war gestern ein Gewinn und hat es auf eine angenehme Art geschafft, leicht und schwer zu sein, politisch und nett. Man ist schockiert, beeindruckt von diesen Frauen und Schicksalen, von Mut und auch Gelassenheit. Ein wenig fragt man sich, wie man selbst sein würde… würde man dem Dienstmädchen eine Cola anbieten? Mit ihr reden? Was, wenn ganz anderes „normal“ wäre?

Ich kann den Film wärmstens empfehlen. Er war großartig und berührend, ohne kitschig zu sein. Er war politisch, ohne trocken zu sein. Moralisch ohne Zeigefinger. Spannendes Portrait einer Zeit mit so verschiedenen Bühnen sozialen Lebens.