Thierry Mugler’s Parfums merkt man seine Liebe zu starken Frauen sowohl in der Mode- als auch in der Duftlinie an. Clarins und Mugler arbeiten seit 1992 zusammen, u.a. entwickelte er Angel, Womanity und natürlich Alien. Insgesamt sind es über 70 Parfums, die teilweise nur limitiert erhältlich waren. Thierry Mugler entwarf u.a. auch Kostüme für Cirque du Soleil und drehte Musikvideos für George Michael.
Mode, Accessoires und Düfte stehen unter diesem Namen im Kontext starker und selbstbewusster Frauen.

Allgemein

Das klassische Alien ist eines der Parfums, die ich  an anderen Frauen unglaublich gern wahrnehme, das mir an mir selbst jedoch wie ein zu schwerer Pelzmantel vorkommt. Er ist mysteriös, luxuriös und sehr selbstbewusst. Eine Kollegin trägt es immer und ich liebe es, wenn ich sie umarme.

Der neue Alien Eau Extraordinaire (EdT), der dieses Jahr lanciert wurde, sticht aus den bisherigen Variationen für mich besonders heraus. Nicht nur optisch. Er soll eine optimistische, zuversichtliche und positive Botschaft in seinem frischen Glühen ausstrahlen.

Herstellerangaben:

„Mit Alien Eau Extraordinaire beginnt Thierry Mugler ein weiteres Kapitel in der Geschichte von Alien. Die Sonnengöttin überbringt uns eine optimistische und positive Botschaft: Entdecken Sie die solar-blumige, ambra-holzige Kreation mit den Noten von Bergamotte, Neroli, Tiaré und Heliotrop. Der kristalline Edelstein-Flakon umhüllt das kostbare, champagnergoldene Eau de Toilette. Mit dem Refill-Flakon können alle Flakons nachgefüllt und immer wieder aufs Neue verwendet werden. Lassen Sie sich von der Sinnlichkeit und der Frische von Alien Eau Extraordinaire bezaubern!“
(Quelle: Douglas)

Kopfnote: Bergamotte-Tee, Neroli, Orangenblüte
Herznote: Cashmeran, Tiaré
Basisnote: Heliotrop, weißer Amber

Der Flakon zeigt sich in einer schlankeren, eleganteren und zarteren Version des ursprünglichen Alien Flakons. Während der klassische Alienduft  mich an ein dunkles, orientalisches Juwel erinnert in seiner dunkel flaumigen Farbe und kompakten Form, ist die Hülle von Eau Extraordinaire ein längliches Juwel einem Marquiseschliff  (56 Facetten, 18. Jhd Frankreich) nachempfunden, mit dem zart zitron-sonnigen Parfum gefüllt. Ich empfinde das Äußere als eleganter und weniger extrovertiert als seine älteren Geschwister. Mir gefällt er dadurch mehr. – Der Nerd in mir muss außerdem eine Ähnlichkeit mit den „Vorlonen“ aus Babylon 5 erwähnen, was ja auch durchaus nah an der Assoziation „Alien“ ist… Was für eine Rüstung aus Kristall und Gold! Für mich der schönste Flakon der Alien Düfte.

Preis: 60ml für 63,95€ und 90ml für 85€ bei Douglas

Beide Größen sind an den Parfumbrunnen („Source„, s.u.) in vereinzelten Douglasfilialen wieder befüllbar, was ökologisch sinnvoll ist und insgesamt auch preislich für die Duftliebhaber von Vorteil ist.

Eindruck & Hintergründe

Der erste Eindruck zeigt sich die Bergamotte zusammen mit dem Geschwisterpärchen Neroli und Orangenblüte, gleichzeitig sonnen-süß, aber geschmückt mit grünen Frische. Fast leicht herb wie bittere Orangenschale. Die Neroli und Orangenblüte werden übrigens beide von Orangenblüten gewonnen und entwickeln durch verschiedene Extrahierungsvorgänge ein eigenes Duftprofil.
Der Duft entfaltet sich wie eine nur zögerlich ausgeschlafene Spätfrühlingsschönheit: zuerst noch unwillig sich aus der Umarmung des Schlafes lösend, mit weiblichen Rundungen, aber scharfen Augen und einem Blick, der Stahl schneiden kann.

Im weiteren Verlauf nimmt die holzige Ambra-Note des Cashmeran (s.u.) zu, als streife sich die gold-glühende, schlanke Frau ein – viel Haut zeigendes – Kashmirkleid über. Eine raubkatzenartige Geschmeidigkeit, die dennoch etwas Helles und Glühendes behält und kein schweres Gewicht bekommt. Die Bergamotte hält die Krone dieser Duftgestalt. Normalerweise entwickelt Bergamotte sich auf meiner Haut gerne bitter und unangenehm. In dieser Komposition gibt sie die leichten „Kanten“ vor, bleibt jedoch ein freundlicher Rahmengeber.

Cashmeran (eigentlicher chem. Name : 1,2,3,5,6,7-Hexahydro-1,2,3,3-Pentamethyl-4h-Inden-4-one) ist eine synthetische Komponente, die häufig auch als „helle Hölzer“ aufgeführt wird und sich in seinem Duftprofil zwischen Hölzern und Ambra bewegt. Es verleiht Düften einen pudrig-samtig-weichen Effekt.

Innerhalb von zwei Stunden pendeln sich Orangenblüten, Amber und samt-weiches Holz auf einem leichten, goldbestäubten Duft ein, der im Gegensatz zum selbstbewussten Aufrichten der goldenen Sommerschönheit mit der Traumfigur im Laufe der Zeit einen pudrig-geisterhaften Einfluss erhält und weit im Hintergrund leichte Töne von Honig und Mandel (Tiaréblüte) ahnbar macht.

Fazit

Offiziell wird der Duft mit „luftig erhaben“ beschrieben, was ich unterstreichen kann. Die Kombination aus frischen Noten (Neroli, Bergamotte), süßlichen (Tiaré, Heliotrop, Orangenblüte) und den typischen Alien Noten (Cashmeran, Amber) ergibt einen Duft, der eine völlig neue Richtung zu den bisherigen Alien Varianten einnimmt und gleichzeitig für mich durchaus merklich, die Signatur beibehält. – Es gibt diesbezügliche viele kritische Stimmen, die in Alien Eau Extraordinaire die Intensität und den Charakter jedoch angeben, nicht wieder zu erkennen.

Allerdings spaltet ja auch bereits der Ursprungsduft… für die einen „zu viel“, für die anderen luxuriös & besonders. Und genau dies trägt eigentlich Thierry Muglers Handschrift und macht den Originalduft zu einem Statement, das zur Trägerin passen muss.

Nach meinen eigenen Dufteindrücken habe ich mir das Pressematerial näher angesehen und bin überrascht über die Ähnlichkeit meiner Wahrnehmung zu folgendem Zitat von Christophe de Lataillade (Kreativdirektor Parfums Thierry Mugler) gestoßen:

Das Erwachen der Göttin im Sonnenlicht, wie eine Wiedergeburt durch die Sonne, der Quelle allen Lebens auf der Erde. Sie nimmt dieses Licht in sich auf und strahlt es dann selbst aus. Es ist die Idee einer Göttinnenstatue, die zur Frau wird. Ihr Herz beginnt im Eingang mit dem Licht zu schlagen. Sie kommt uns näher und wird femininer.

In der Tat wirkt der Duft zunächst herber und gewinnt an Weichheit. – Dennoch vermisse ich einen intensiveren honigartigen Hauch von Tiaré und die Mandelsüße von Heliotrop. Einerseits ist es gut, dass sie Eau Extraordinaire durch die leichte Dosierung nicht beschweren, andererseits wird Eau Extraordinaire dadurch auch im weiteren Verlauf etwas scheu, während der Auftakt so selbstbewusst war. Der neue Alien Duft ist jedenfalls keine Süßspeise und entwickelt durch die reine Andeutung der süßen Nuancen einen ätherischen Charakter. Die Haltbarkeit ist dadurch auch geringer als von seinen großen Schwestern. Ich nehme ihn etwa 4h bewusst war, danach zerstreut er sich weich, mit angedeuteter Süße von Honig / Orangenblüten und der Weichheit von Ambra.

Diese Leichtigkeit wird ihm von den starken Alien-Konservativen übel genommen. Ich persönlich finde ihn genau dadurch für mich das passendste Alien. Diese Göttin wird zarter, je länger sie lebt und wird am nächsten Tag (beim nächsten Auftrag) wiedergeboren. Während ich zwar mit der Bergamotte ein wenig hadere, ist sie es – denke ich – die dem Duft dennoch Persönlichkeit verleiht und ihn sich erheben lässt.

Alles in allem empfinde ich Alien Eau Extraordinaire als willkommene Alien-Variation, die auch bisher Abstinenten einen Zugang zum Kultduft vermitteln kann und mit der leichten Frucht, Frische und Kashmirholznoten eine im späten Verlauf edle, wenn auch zurückhaltende Eleganz mit sich bringt, während der Auftakt wie ein Räkeln der Sonne entgegen ist.

Nachdem Gott sich bei der Erschaffung des Mannes ziemlich verausgabt hatte,
war er für einen Moment ratlos, wie er diesem vollkommenen Wesen eine ebenbürtige
Gefährtin verschaffen sollte. Doch wußte er sich zu helfen. Er nahm den Glanz
der Sonne, die weichen Rundungen des Mondes, die Geschmeidigkeit der Schlange,
die Unbeständigkeit des Windes, die Süße des Honigs, die Wärme des Feuers
und die Kälte und Härte des Diamanten. Das alles mengte er sorgfältig und liebevoll
und machte daraus die Frau.“
– aus dem Orient – 

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