Worum es geht:
Sieben ins Alter gekommene Engländer entscheiden sich aus verschiedenen Gründen, ihren Lebensabend in einer malerisch beworbenen Residenz in Indien zu verbringen, die sich als deutlich heruntergekommener herausstellt, als zunächst erwartet. Während jeder von ihnen damit anders umgeht, nimmt der Zauber des Landes, der neuen Umgebung, der eigenen neuen Eindrücke und Veränderungen die Einzelnen in seinen Bann und es eröffnen sich neue Lebenswege in einer Lebensphase, in der sie damit wahrscheinlich längst nicht mehr an Veränderungen glaubten.

Filmmotivation:
Warum geht eine Frau in „mittleren Jahren“ (nicht lachen – meine Nachbarin hat mich – 32 – vor kurzem so bezeichnet…) in einen Film über englische Rentner? Die Inhaltsangabe klingt wahrscheinlich etwas sehr pittoresk und weichgespült und man erwartet einen typischen, optimistischen Film über die Freuden des Alters, der dabei ein wenig einseitig und zu verträumt daher kommt.
Mich hat der Trailer hinein gebracht, den ich als so humorvoll und bezaubernd wahrgenommen habe, dass mich dieser Film einfach interessiert hat. Außerdem muss ich gestehen, liebe ich die Schauspieler Bill Nighy, Maggie Smith, Tom Wilkinson und Judi Dench und halte große Stücke auf ihre bisherige Arbeit.

Eindruck:
Der Film hat mich zwischen Tränen des Lachens und des Berührtseins hin und hergerissen, dabei war er keineswegs kitschig (ich habe nicht einmal Titanic zu Ende gesehen, weil ich ihn zu kitschig fand), sondern ging auf einen wunderschöne Art und Weise mit sehr ernsten Themen um. Altwerden, das Recht glücklich sein zu dürfen, Träume und Realität, Beziehungen und Selbstverständlichkeiten waren unter anderem Facetten, die teils mit einem Lächeln, teils sehr tiefgründig und dabei nicht schwer oder moralisch wider gegeben wurden.
Diese Menschen begegnen – gerade weil sie ihre alten Muster verlassen – den Themen, die sie seit Jahrzehnten begleitet haben. Es fällt im Nachhinein schwer, diesen Film anderen so zu beschreiben, dass es vermittelt wie sehr er mich beeindruckt hat, aber ich war positiv überrascht. Hier findet sich keine seichte Komödie, aber auch kein schwerer oder verblendeter Film über das „Glück des Alters“. Dieser Film hat mit der Unterschiedlichkeit seiner Charaktere etwas zutiefst Menschliches und man kommt nicht umhin, sich selbst zu fragen, was man von seinem weiteren Leben noch möchte. Auch wenn man noch jung ist. Dies ist kein Film nur für die ältere Generation. Im Gegenteil. In welcher Art von Beziehung möchtet Ihr 40 Jahre stecken? Welche Lügen sind nach Jahrzehnten erträglich und was für ein Mensch wollt Ihr sein und werden? Welche Träume verfolgen? Welche aufgeben? Irgendwann kommt jeder an den Punkt, an dem er zurück blickt. Und das schöne ist: in diesem Film geht es nicht um zurückblickende Nostalgie, sondern Gegenwart. Und diese Gegenwart und zukünftige Gegenwarten haben wir alle. Jetzt können wir den Weg beginnen oder weitergehen, der uns gut tut, der uns – individuell so unterschiedlich – entspricht.
Mich hat „Best Exotic Marigold Hotel“ sehr beeindruckt und berührt. Die Bilder waren wunderschön, die Charaktere einnehmend, die schauspielerische Leistung großartig. Ein Film mit viel Gespür für Menschen ohne seicht, zu einfach oder zu schwer zu sein.

Filmempfehlung!
***** – 5 Sterne