Farbwechsel durch Wimpernseren?

In Reaktion auf die Review zum RevitaLash Advanced Conditioner erhielt ich überraschte Reaktionen von Euch über eine der Nebenwirkungen der ursprünglichen, bzw. im Ausland erhältlichen Wimpernseren. Um daraus keine übermäßige Vorsicht werden zu lassen, möchte ich Euch einfach einmal über diese Wimpernseren an sich und eventuelle Nebenwirkungen (mancher Inhaltsstoffe) informieren.

*** Das untere Bild ist natürlich nur zur Veranschaulichung manipuliert ***

Bimatoprost – die schönste Nebenwirkung

In den USA ist LATISSE (verschreibungspflichtig) sehr beliebt. Dieses enthält Bimatoprost (hier mehr Information oder hier in Englisch) als aktiven Bestandteil, das auch zur Behandlung von Glaukoma (Grünem Star) in Augentropfen verwendet wird. Es ist ein Prostaglandin-Analogon („Analogon“ = ein synthetisch hergestellter Wirkstoff, dessen Wirkung im menschlichen Körper einem bestimmten natürlichen Stoff entspricht).
Neben den wirklich „unerwünschten“ Nebenwirkungen „rote Augen, Augenjucken, Kopfschmerzen“ gehört „Wimpernwachstum“ zu einer Nebenwirkung, über die sich die wenigsten wohl wirklich beschweren werden. In Wimpernseren aus den USA wird es zur Verlängerung, Stärkung und Pigmentierung der Wimpern eingesetzt. LATISSE ist aber aber nur verschreibungspflichtig zu erhalten.
Dass Bimatoprost nicht nur den Augeninnendruck  senkt (durch erhöhten Abfluss der Kammerflüssigkeit), sondern auch Auswirkung auf die Wimpern hat, basiert vermutlich auf einer Verlängerung der natürlichen Wachstumsphase der Haare. Glaukom-Patienten bemerken häufig selbst ein erhöhtes Wachstum und Dunklerwerden der Wimpern.

Der Hersteller rät zur Konsultation des Artzes bei der Nutzung von Latisse, wenn bereits Medikamente zur Senkung des Augeninnendrucks verwendet werden. Außerdem wird bei den Nebenwirkungen darauf hingewiesen, dass Latisse braune Pigmentierung im „farbigen Teil des Auges“ bewirken kann, die „wahrscheinlich dauerhaft“ sein wird. Das Augenlid könnte bei Verwendung dunkler werden und dies könne „eventuell“ reversibel sein. Allerdings muss auch gesagt werden, dass dies in keiner klinischen Studie vorgekommen zu sein scheint uns bislang eher eine theoretische Auswirkung ist. – Dass der Hersteller es dennoch angibt hängt sicher auch mit der rechtlichen Lage und schnellen Rechtsklagen in den USA zusammen und dient einerseits natürlich der theoretischen Information der Zielgruppe als auch der eigenen Absicherung. Eine weitere Nebenwirkung ist, dass Haar sogar an anderen Stellen wachsen könnte, die Latisse wiederholt benetzt.

Wimpernseren auf dem deutschen Markt

In Deutschland sind weder Lumigan (Augentropfen mit Bimatoprost) noch LATISSE zur Wimpernverlängerung zugelassen, teilweise wird es jedoch dennoch außerhalb der eigentlichen mediznischen Indikation (Augeninnendruck, Glaukom) verwendet.

Paula’s Choice haben hier auch bereits über RapidLash einen hervorragenden Artikel geschrieben. Die meisten Wimpernseren ohne Bimatoprost seien dementsprechend zwar pflegend – es gäbe jedoch wenig tatsächlichen Nachweis für  Haarwachstum. RapidLash (und übrigens auch RevitaLash, hier geht es zur ausführlichen Studie des Herstellers) haben natürlich Studien für die Wirkung ihrer Präparate, aber  Studien von Medikamenten und Beauty-Produkten weisen natürlich auch Unterschiede in Umfang, Dauer und und Ausführlichkeit auf. Bei Kosmetikpräparaten wird daher auch sehr genau auf den Wortlaut der „Versprechungen“ geachtet, um keine falschen oder fahrlässigen Angaben zu machen.

Den hier erhältlichen Wimpernseren fehlt Bimatoprost, der eigentlich wirksame Bestandteil von LATISSE. ABER die Hauptwirkstoffe, die sowohl RevitaLash als auch RapidLash nutzen sind ebenfalls Prostaglandin-Analoga. Jedoch ist dieses – anders als Bimatoprost kein medikamentöser Wirkstoff, sondern ein kosmetischer. In der ALTEN Version von RevitaLash war übrigens Bimatoprost enthalten. Erst Anfang 2013 – mit der Umbenennung in „Conditioner“ wurden die Inhaltsstoffe verändert.

Dechloro Dihydroxy Difluoro Ethylcloprostenolamide, Isopropyl Cloprostenate und Methylamido Dihydro Noral­faprostal sind Wirkstoffe, die eine Ähnlichkeit zu Bimatoprost besitzen, auch wenn es bislang kaum Untersuchungen über die Wirksamkeit gibt. Und wenn es Ähnlichkeiten gibt, stellt sich natürlich auch die Frage, wie nah die Nebenwirkungen der Analoga sind, obwohl aufgrund der kosmetischen Deklaration deutlich geringere Wirkung (sowohl in Ziel- als auch in Nebenwirkung) anzunehmen sein könnte.

Fazit:

Nach meinen eigenen guten Erfahrungen würde ich in jedem Fall eines der Seren mit den oben genannten Prostaglandin-Analoga empfehlen. Dennoch sollte man aufmerksam für Nebenwirkungen sein und bei Jucken oder Farbveränderungen das Produkt sofort einstellen. Außerdem wird hier auch sehr deutlich, warum es nicht IN das Auge gelangen sollte.

Dennoch möchte ich mit diesem Artikel auch etwas die Furcht vor Nebenwirkungen senken und darauf aufmerksam machen, dass nahezu jeder Stoff (von Nahrungsmittel (Bsp: Spargel oder Bohnen) über Kosmetikum zu Medikament) Nebenwirkungen besitzt und deren Auftreten sehr selten sein kann. Wenn man sich beispielsweise den Beipackzettel zu Anti-Kontrazeptiva (wie z.B. „die Pille“) durchliest, beginnt man abzuwägen, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis es auch wirklich wert ist. (Gleiches gilt für eine Vielzahl von hilfreichen Medikamenten). Wichtig ist, bei Eintreten von Nebenwirkungen die Produkte sofort abzusetzen. Auch Parfum (mit z.B. Bergamotte, Moschus, Lavendel, Sandelholz oder Zeder ) hat übrigens üble Nebenwirkungen, von denen die meisten Menschen nichts wissen: es kann zu permanenten Pigmentflecken in Verbindung mit Sonnenstrahlung führen. Dass ein Produkt also Nebenwirkungen aufweist bedeutet noch nicht, dass seine Verwendung abzulehnen sei. Ausschlaggebend ist der Nutzen im Verhältnis zur Nebenwirkung, wenn sie überhaupt auftritt.

In diesem Sinne:
Ein Flirt ist wie eine Tablette: Niemand kann die Nebenwirkung genau voraussagen.
– Cathérine Deneuve

Ich bitte um Korrektur, falls Euch falsche Informationen auffallen! Ich habe sie besten Wissens und Gewissens angesammelt und freue mich über eventuellen Feinschliff!

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Meine Artikel basieren auf meinen eigenen Erfahrungen und bestehendem/angeeignetem Wissen. Allerdings bin ich keine Fachperson und bitte Euch, bei konkreten medizinischen Fragen an einen Arzt oder die Firma selbst zu wenden.