Le Nez du Vin – 7 Düfte

Was man unter Weinkennern und Sommelièrs (speziell ausgebildete Weinspezialisten eines guten Restaurants, die für Beratung, aber auch das eigene Weinrepertoire des Restaurants insgesamt zuständig sind) Le Nez du Vin („Die Nase des Weins“) nennt, bezeichnet eine kleine „Bibliothek“ aus Düften, meist aufbewahrt in kleinen Phiolen, die zum Training der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit verwendet wird, um die einzelnen Nuancen aus den Weinen heraus riechen zu können, sie zu identifizieren, unterscheiden. Unsere Nase bietet uns eine feine Wahrnehmung, die wie jedoch selten bewusst trainieren, dabei kann der Mensch 10.000 Gerüche unterscheiden!

Duftintuition – der Sinn, den wir kaum bemerken

Wir und auch unsere Genussprodukte arbeiten mit diesen Nuancen, auch wenn wir sie oft nur auf einem subliminalen (also unterhalb der bewussten Wahrnehmungsgrenze) wahrnehmen. Selbst wenn wir sie nicht bei direkter Wahrnehmung kognitiv analysieren: unsere Gefühle und Erinnerungen sind unmittelbar über Düfte beeinfluss- und aktivierbar und erzeugen Erleben. Duft ist etwas instinktives, unmittelbares und bezieht sich auf individuelle Erinnerung, kulturelle Gewohnheiten und auch evolutionsspezifische Entwicklung.

Duft ist für Frauen wie Männer auch bei der Frage der Attraktivität wichtig… Jemanden „riechen“ können ist etwas sehr essentielles! Hat aber auch seine Schattenseiten, denn beispielsweise verändert hormonelle Verhütung unseren weiblichen Geruchssinn und wir sind durch etwas andere Gerüche angezogen als wir es ohne „die Pille“ wären. Ab und zu kommt es bei Absetzen und Kinderwunsch dazu, dass man den Geruch des Partner plötzlich nicht mehr mag… Ein Beispiel für die Wichtigkeit unserer Sinneswahrnehmung und den enormen Einfluss, den es  hat.

Wenn es Euch einmal interessiert, schreibe ich gerne zu den Hintergründen von Parfum, Duft und dem Zusammenspiel mit unserer Psyche, denn ich finde das Themengebiet faszinierend und wünschte mir eine viel, viel feinere Nase! Aber… wie schön, dass man sie trainieren kann!

Duftparcours

Ein kleines „Le Nez du Vin“ in Form eines 7 stufigen Duftparcours hat Gwen von Gwenstical letzte Woche mit mir gemeinsam bestritten! Mit verbundenen Augen hieß es Duftproben erschnuppern und Assoziationen teilen!

Ein Döschen nach dem anderen mit unterschiedlichsten Düften haben wir also in die Hände und unter die Nasen genommen…

Döschen 1 (Zimt)

Süß-Würzig, warm, aber auch brennend… Es riecht wie winterliche Bäder und als würde es Haut bei Kontakt erwärmen! – Und das stimmt! Denn Zimt fördert die Durchblutung, ist kreislaufanregend, entzündungshemmend, blutdruckregulierend und antiseptisch! Also nicht nur ein winterlicher Wohlduft von Bratapfel und Zimstern, sondern auch aus gutem Grund in vielen Produkten enthalten, die Wohlbefinden fördern sollen.

Döschen 2 (Kiefernnadeln)

Der erste Eindruck… Gurke? Aloe Vera? Es rieche frisch und kühl. Ich hatte aber auch Assoziationen mit Wald und Nadelholzharz. Der Duft wird ich offiziell als klar und frisch, aber auch harzig beschrieben. Kiefernnadeln helfen durch entzündungshemmende und antivitale Eigenschaften gegen Erkältungen, sind aber auch entkrampfend und antibakteriell.  Die ätherischen Öle tun der Atmung gut und der gesamte Körper wird (beispielsweise bei Bädern) besser durchblutet. Auch bei Muskelkater, Verspannungen und Schmerzen ist Kiefernnadelöl ein gutes Mittel im Badewasser, manche verbinden den Ruft aber auch mit Sauna und belebender Wellness.

Döschen 3 (Lavendel)

Sofort erkannt! Lavendel! – Ich habe selbst welchen im Garten und auch wenn ich den Duft auf der Haut nicht mag – ich liebe ihn in meiner Umgehung. Lavendel ist antibakteriell, antiviral, antimykotisch (d.h. gegen Pilz), entzündungshemmend, pflegend und beruhigend (in zu hoher Dosierung kann es auch reizend sein!). Er ist wohltuend für Psyche, aber auch Wundheilung, Infektionen und auch innerlich wirkt Lavendel heilsam.

Döschen 4 ( Oregano) 

Rosmarin? Majoran? … irgendwie frisch, herb und nach Kräutern… Mmh.. unser Gedächtnis ordnet den Duft richtig ein, aber der Kopf findet nicht das richtige Wort. Ja! Mediterran und würzig, dass er mit anderen Kräutern so eng assoziiert wird, ist kein Zufall, schließlich werden sie häufig in Kräutermischungen gemeinsam verwendet! In Parfums ist der Geruch eher selten zu finden – aber einige finden sich doch, die mit den mediterranen Noten spielen.

Döschen 5 (Ingwer)

Zitrus… aber würziger… Verbena? – In der Tat riecht Ingwer sehr ähnlich wie Verbena. Nicht nur Gewürz oder Teil britischen Gebäcks: Ingwer ist eine im Orient sehr beliebte Heilpflanze. Mit wärmende Schärfe gleicht sie Kälte, Rückzug und Schwäche aus und wenn ich Halsschmerzen habe, ist frischer Ingwer (aufgebrüht) mit Zitrone und Honig mein erster Heilmittel. Er wirkt schweißtreibend, schleimlösend und belebend. Auch Herz und Kreislauf werden aktiviert, Blutdruck & Cholesterin gesenkt, Blut fließt besser und das gesamte Immunsystem wird gestärkt. Auch für den Magen ist Ingwer eine belebende Wohltat (außer bei Magenschleimhautentzündung oder Geschwüren!). Frisch und wärmend zugleich ist Ingwer eine kleine Besonderheit!

Döschen 6 (Orange)

Orange! Ganz eindeutig. Der Duft ist warm und weich, trotzdem nicht schwer. Rund und süß. Besonders im Winter, wenn wir Sehnsucht nach Sonne und Wärme haben, ist dieser Duft etwas hochgradig angenehmes! Er wirkt stimmungsaufhellend und wird im Winter gerne auch mit Zimt kombiniert, um Sommer und Winter, Wohligkeit und Wärme zu kombinieren. Auch und gerade Kinder lieben den Geschmack und den Duft besonders.

Döschen 7 (Head & Shoulders Apple Fresh)

Dieser Duft kommt auch bekannt vor… birnig? frisch irgendwie… fruchtig... – Der Duft ist sehr angenehm, hell, nicht aufdringlich und erinnert an einen sauer-süßen grünen Apfel. Man sagt dem Duft grünen Apfels nach, dass er belebend, konzentrationsfördernd und reinigend sei. Der Apfel gehört übrigens zu den Rosengewächsen! – Ein Duft wie Apfeljoghurt oder eine Creme. Mit Schuppenshampoo hatte Gwen allerdings nicht gerechnet.

Duft Technologie

Wer je „Das Parfum“ (Leseempfehlung!) gelesen hat, weiß… Duft lässt sich in Fett/Öl oder wie bei Eau de Parfum üblich in Alkohol konservieren. Düfte werden in der Regel aus flüchtigen Kopfnoten (der erste Eindruck), beständigen Herznoten (der „Kern“ und eigentliche Grundduft) und langhaftenden Basisnoten (der „Bass“ im Orchester, der Boden, der den Rest trägt und untermalt).

Head & Shoulders baut die Düfte ihrer Produkte ebenfalls nach diesen drei Stufen auf und hat seit November 2013 die eigene Dufttechnologie etwas überarbeitet. Das Duftbouquet soll noch voller sein und wird  durch die Verwendung mit Wasser „explosiv“ aktiviert (Scent Brust Technologie), – was natürlich bei einem Shampoo/einer Spülung perfekt ist. Die Kopfnote wurde so intensiviert, dass der Genuss des Duftes bei der Anwendung deutlich stärker hervortreten soll.

Es gibt drei neue Duftprofile, die in Zusammenarbeit mit Parfumeuren und Psychologen für Head & Shoulders entwickelt worden sind:

  • Apfel – Typ (warmherzig, liebevoll, umgänglich, liebenswürdig, gut organisiert)
  • Minze – Typ (energiegeladen, durchsetzungsfähig, extrovertiert, aktiv)
  • Orange – Typ (einfallsreich, spontan, neugierig, offen, liebt Kunst, Kultur, Musik und Abenteuer)

Mit Head & Shoulders habe ich übrigens schon vor Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich neige nämlich leider zu einer schwierigen Kopfhaut und habe positive Erinnerungen an die Verwendung!

Duft und Persönlichkeit

Hat unsere Duftauswahl etwas mit unserer Persönlichkeit, unserer Selbst- und Fremdwahrnehmung zu tun? Bestimmt zu einem gewissen Grad. Wählen wir einen Duft, der uns Wohlbefinden schafft oder einen, der unser Auftreten auf eine bestimmte Art beeinflussen soll? Wählen wir etwas das unserem eigenen Selbstbild entspricht oder Ergänzendes? Lieben wir orientalische Düfte oder cleane, – Schwere oder Leichtigkeit? – Ich denke, die Wahl unseres Parfums spiegelt unsere Persönlichkeit oder auch Intentionen ebenso wider wie die Wahl unserer Kleidung (wenn nicht sogar viel mehr!).

Düfte sind Magie des Alltags. Wir möchten uns wohl fühlen? Die Wahl fällt auf weiche, runde Düfte. Wir wollen belebt werden? Würzig, fruchtig oder frisch! Wir wollen sinnlich wirken? Moschus, Blüten oder Holz… je nach Typ. Wir versetzen uns – aber auch andere, die uns nah kommen – in einen (hoffentlich gewünschten) Zustand mit Düften. Es gibt Parfums oder Cremes, die mein Partner an mir deutlich mehr liebt als ich selbst – und auch wenn Euer Partner vielleicht keine recht bewusste Duftwahrnehmung hat (ich habe diesen Parcours auch mit meinem Freund gemacht, der jedoch nicht einen Duft identifizieren konnte)… der Beeinflussung durch Düfte können auch sie sich nicht entziehen, aber es geschieht unterhalb bewusster Wahrnehmung und zaubert (im besten Fall) Empfindungen, Wohlbefinden oder Nähe, ohne dabei „verstanden“ oder verbal kommuniziert werden zu müssen. Nur den richtigen „Lieblingsduft“ des anderen muss man finden! (wobei ich als Trick auch verraten kann: Verbindung zwischen Situation, Emotion und Duft lässt sich auch gezielt trainieren, indem immer bei schönen Situationen derselbe Duft wahrnehmbar ist). Irgendwann reicht der Duft allein aus, um Stimmung und Emotionen ein wenig mit zu beeinflussen… aber… das hab ich jetzt nicht laut gesagt.

Was auch immer meine Lieblingsduftrichtungen (Amber/Moschus, holzig, gourmand, puder, weich-clean, cremig) über mich aussagen. Oder die Wahl des Parfums, das ich ab und zu nur für mich sogar beim Zubettgehen trage (Bulgari Petits et Mamans) oder die Wahl des Duftes, den mein Freund besonders an mir liebt (Jil Sander Style), mein Festtagsduft oder mein gemütlicher Abend mit Freunden Duft… an dem heutigen Tag haben wir uns erst einmal mit gutem Essen belohnt, das auch herrlich geduftet hat!

Vielen Dank an Gwen von Gwenstical für den schönen Nachmittag. Ihre warmherzige, quirlige und liebenswerte Art war ein schöner Rahmen und wenn ich ihr einen Duft hätte heraussuchen können, wäre es sicher Jo Malone Blue Agave & Cacao (Review folgt noch und gekauft hat sie ihn sich schon vorher!), Be21 Orlane (alte Review hier) oder Gucci Premièr (Review hier) gewesen, wobei ich mir bei Ihr auch noch neben einer holzigen Basis gut einen Hauch dunkle Beere vorstellen kann… da muss ich mal nach suchen… Holzig-Gourmand (Kakao, S-dunkle Beere… meine Assoziationen für Gwen 🙂 Calvin Klein Shock wäre vielleicht etwas! Ansehen, Gwen!

Für mich erzählen Düfte Geschichten, sind symbolhaft und drücken unmittelbar vieles von uns selbst aus oder öffnen Erinnerungen. Ich liebe Düfte und in meinen Blogserien „Parfums zum Anziehen“ und „Duft auf Probe“ könnt Ihr gern einige meiner Eindrücke und meine Duftbibliothek durchstöbern.

Sagt es etwas über uns aus, wenn wir weiche Düfte mögen oder leichte? Schwere oder
spritzige? Holz oder Blüten? Welche Düfte tragt Ihr, wenn Ihr nur für Euch seid?
Welche in Gesellschaft von Freunden – und welche für eine romantische
oder sinnliche Verabredung? Wie beeinflusst Duft Euer Leben?

Wenn Ihr in Eile seid und mir trotzdem zeigen möchtet, ob Euch der Artikel gefallen hat, dann lasst mir doch einfach Sternchen da! Bei Gedanken, Verbesserungsvorschlägen oder Hinweisen freue ich mich über ein Kommentar, um sie zu berücksichtigen!
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inspiriert durch eine PR-Aktion von Head & Shoulders

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7 Comments

  • Es war wirklich ein richtig schöner Nachmittag der viel zu schnell vorüber ging und ich freue mich schon sehr auf das nächste mal. Der Duftparcour war auch spannend, es ist doch überraschend was man manchmal erschnuppert oder meint zu erschnuppern. Auf den Ingwer selbst wäre ich in jedem Fall nicht mehr gekommen 😉 Ich freue ich gerade sehr über deine Duftvorschläge und werde die mir alle mal in eine Handyliste schreiben, damit ich sie beim nächsten Parfümerie Besuch mal durchgehen kann. Lieben Dank dafür 🙂

  • Ein super Buch, das Parfüm. Auch wenn ich Head& Shoulders nicht kaufe, die Duftprofile sagen mir alle drei zu. Meine absoluten Lieblingsdüfte. Apfel (Dkny Be Delicious), Minze (Armani Acqua di Gioia Essenza), alles mit Orange/Grapefruit/Zitronen- und Limettenduft 🙂

  • Danke für diesen wundervollen, inspirierenden Post! 🙂
    Ich liebe Düfte auch sehr, merke aber immer häufiger, wie sehr meine jeweiligen, situationsaktuellen Vorlieben von Laune, Wohlbefinden und ähnlichem beeinflusst werden. Und so gibt es dann Tage, an denen ich beispielsweise mein Lieblingsparfum gar nicht ausstehen kann. Oder es gibt Momente, in denen ich einen speziellen Duft „brauche“, damit ich mich besser fühle. Ich könnte deshalb also von gar keinem durchgängigen Duftstandard berichten. „Duft“ ist für mich übrigens auch nicht nur auf Parfums bezogen, sondern ein grundsätzlicher Begriff.

    Verrätst Du, welches wunderschöne Geschirr Euer Essen beherbergen durfte? 😉 Ich suche seit Jahren nach wirklich ästhetischen und gerne außergewöhnlichen Schalen für Suppe und Salat – und die gezeigten sind ein Traum!

    LG, Mimi

  • Ui, ein sehr interessanter Bericht!
    Ich bin auch immer wieder überrascht, wenn man von einem Duft „überrascht“ wird und sofort eine entsprechende Erinnerung dazu parat hat. [Ich assoziiere zB einige Weichspüler mit dem Waschkeller meiner Oma, andere Putzmittel dagegen mit Krankheit, etc.]

    An der Wechselwirkung zwischen Duft und Psyche wäre ich sehr interessiert =)

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